
Charles Darwin, Daniel Clement Dennett. Bild: Rudolf Maresch
Von Rudolf Maresch – tp
Der Philosoph Daniel C. Dennett entzaubert auf pragmatische Art den alteuropäischen Schöpfungsmythos des menschlichen Bewusstseins
Trotz aller Kontroversen um Details ist keine andere wissenschaftliche Theorie empirisch so gut abgesichert wie die Evolutionstheorie, die Synthese aus moderner Genetik und “Darwins gefährlichem Erbe”. Ihre Bedeutung reicht, auch wenn das Roger Penrose oder Stephen J. Gould dementieren, nicht nur weit über die Biologie hinaus. Sie stellt auch den “Sinn des Lebens” auf ein neues und wesentlich festeres Fundament. Das hindert freilich Kritiker und Gegner nicht, an ihren humanwissenschaftlichen “Lockerungsübungen” regen Anstoß zu nehmen.
Dies wurde erneut deutlich, als der bekannte US-Philosoph, Evolutionsdenker und bekennende Atheist Daniel C. Dennett seine evolutionären Einsichten in München bei der “Siemens-Stiftung” vortrug. Die Theorie sei reduktionistisch, hieß es da wieder, sie erkläre geistige Prozesse und Zeugnisse, etwa die Werke Beethovens oder die Ereignisse an der Börse, zu natürlichen Vorgängen. Evolution sei nur ein anderer Name oder Begriff für Geschehnisse, die wir aus der Metaphysik abgeleitet oder von dort importiert haben, hieß es weiter. Und: Viele Entwicklungen im Tier- und Pflanzenreich seien gar keine echten Anpassungsleistungen, sondern aufgrund des “inneren Bauplans der Wesen” sogar notwendig.
Daniel C. Dennett:
Das Bewusstsein sieht nur dann wie ein unlösbares Rätsel aus, wenn man eine zu abgehobene Vorstellung davon hat.
Florett statt Degen
Die Münchner Fakultät hatte, so schien es mir zumindest, einen Teil seiner Mitarbeiterschaft aufgeboten, um den Neodarwinisten mit den gängigsten Argumenten der geisteswissenschaftlichen Zunft zu konfrontieren und ihn so aus der Reserve zu locken. Doch dieser blieb weitgehend gelassen. Wo andere den Degen gebrauchten, focht er lieber mit dem Florett. Folglich parlierte er nicht nur freundlich und in stoischer Ruhe, indem er seinen “geisteswissenschaftlichen” Vorrednern zwar Recht gab, aber nur um ihre Argumente danach umso schärfer gegen sie zu wenden. Er nahm sich dabei auch selbst auf die Schippe, als er sein Aussehen mit dem des Naturforschers Darwin verglich.
Gewiss verfahre er reduktionistisch. Das müsse doch jede Wissenschaft tun, wenn sie was erkennen will. Selbstverständlich habe er ein geschlossenes Weltbild. Allerdings betrachte er die Evolution nicht durch die hermeneutische Brille menschlicher Selbstbeschreibung. Auch sei er ein Determinist. Doch das hindere ihn nicht daran, von menschlicher Freiheit und Verantwortung zu sprechen.
Und natürlich wisse er, dass die Evolution vom Übernatürlichen umlagert und damit zeckiert sei. Anders als Religionen oder der Schöpfungsbericht könne sie das Gesetz des Lebens, den Weg vom Einfachen zum Komplexen, aber auch pragmatisch erklären, ohne hinter all den Vorgängen, Prozessen und Entwicklungen einen Drahtzieher, Planer oder Regisseur zu vermuten. Zum Beispiel auch, dass der “Kern des Menschlichen”, Bewusstsein und Sprache, Freiheit, Moral und Kultur also, Resultate eines unbewussten, algorithmischen Prozesses ist und nicht Teil eines geheimen, für Menschen nicht einsehbaren Planes.






































































Januar 4, 2010 um 8:12 pm
@YeRainbow,
nach meiner Auswertung des heute vorhandenen geschichtlichen Wissens, ging es beim Jesus, über dessen Wesen am Anfang von Kanon und Kirche gestritten wurde, um genau den Logos, mit dem die Stoa die vernünftige logische Welterklärung (Maß für menschliches Leben) auf einen Begriff brachte.
Auch wenn erst die montheistische Weiterführung der monistischen Welterklärung und die bekannte Ausdrucksweise der vernünftigen-logischen Welterkärung (Logos) im kulturellen Umfeld der Antike tauglich war, die Wirkung entfaltete, wie wir sie in der Geschichtsgestalt kennen.
Nur aus dieser Perspektive macht meine Bezugnahme zu Dennets Welterklärung, die keinen übernatürlichen Zweck und kein Ziel kennt, sondern nur ein logisches kreatives Geschehen erklärt – das vor 2000 Jahren in Glaubensaufklärung als schöpferische Weisheit, Wort verstanden wurde – einen Sinn.
Nur die Evolution als schöpferisches Wirken zu erklären, wie das für mich selbstverständlich ist, z.B. beim “Forum Grenzfragen” Tagesordnung der dort nachzuhörenden Tagungen ist (sehr zu empfehlen) reicht nicht, wenn daneben ein wundersamer Wanderprediger – auf dessen Gottesbild sich dann auch noch die Buchstaben-Kreationisten berufen – die Weltbilder trennt.
Mit Ablehnung des Glaubens lösen wir die Probleme nicht, sondern mit Aufklärung.
Gerhard
Gerhard
Januar 4, 2010 um 7:34 am
Wie meinen?
Ich kenne die Stoiker niht gut genug, um mir ein Urteil erlauben zu können.
Jedoch Jesus als Hort der Vernunft zu sehen, ist schon gewagt…
Ich habe jedenfalls immer schon den Verdacht, wenn ich irgendwelche Formulierungen GAR NICHT verstehe, weil zu verquirlt, daß es da nicht viel zu verstehen gibt…
nix für ungut…
Januar 3, 2010 um 6:47 pm
Dennet hat scheinbar nicht nur in stoischer Ruhe vorgetragen, sondern die Welt letztlich im Rahmen heutigen Wissens auf die gleiche logisch-rationale Weise erklärt, wie die Stoiker, von denen die Väter von Kirche und Kanon nachweislich ausgingen. (Im wahrsten Sinne des Wortes: beflügelt wurden.)
Nur dass der antike Monismus, der den Sinn des Ganzen, ähnlich wie heute die Wissenschaft, auf ein rationales/logisches Fundament hob, später als Monotheismus weitergedacht wurde, während heute Buchstaben gelten sollen und übernatürliche oder gar quantenmechanische Erklärungslücken als Beweis für Gottesbilder bzw. einen Designer gesucht werden.
Die heute in logischer Welterklärung ausgedrückte ewige kreative Weisheit/Logik/Vernünftigkeit (die inzwischen bereits Benedikt XVI. als biblischen Jesus bekennt, wenn auch dogmatisch neben einen Guru stellt) die vor 2000 Jahren auf kulturtaugliche/m.E. evolutionslogische Weise in menschlicher Gestalt vermittelt wurde, kann dann leider kein Thema der Theologie sein.
Doch das Darwinjahr ist um.
Es wird Zeit, dass man seine Erkenntnis nicht verkürzt, sondern weiterdenkt, damit die Glaubenslehre von Vergeisterung befreit und dem Ganzen wieder einen rationalen Sinn/Logos gibt, den Christen mit Bart anbeten.
Gerhard
Januar 1, 2010 um 4:03 pm
TV-Dokumentation über die Evolution und den „Neuen Atheismus“
ORF – Kreuz und Quer vom 29.12.09
http://tvthek.orf.at/programs/1193-Kreuz—Quer/episodes/1059571-kreuz-und-quer/1059685-Es-gibt-keinen-Gott—–Atheisten-machen-mobil
Januar 1, 2010 um 12:19 pm
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von nickpol, nickpol erwähnt. nickpol sagte: Evolution: Geistloser Prozess ohne Richtung und Zweck: http://wp.me/p36Ae-1LO #Brights #Evolution #Dennett #Intentionalität [...]