Mit Ethik-Steuer gegen die Kirchenaustritte

Karfreitag, 2007: Tausende feiern einen Gottesdienst auf der Zechenhalde Haniel des Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop. Foto: ap

Der Ökonom Ulrich Blum schlägt eine Ethiksteuer vor, “um die Austrittswelle aus der Kirche bremsen”. Konfessionslose bezeichnen das als “dreisten Vorschlag”, die Hintergründe als “Weihnachtsmärchen”.

taz

“Wer aus der Kirche austritt und keine Kirchensteuer zahlt, sollte eine andere Abgabe an eine soziale Einrichtung wie das Rote Kreuz entrichten”, sagte Blum (Institut für Wirtschaftsforschung Halle) der Bild-Zeitung.

Blum schlägt deshalb eine Ethiksteuer “nach italienischem Vorbild” vor. Der Satz für diese Steuer könnte sieben Prozent der Lohn- und Einkommenssteuer betragen. Dass diese Ethik- bzw. Kultursteuer in Italien von allen gezahlt wird und nicht nur von den Ausgetretenen, verschweigt Blum, genauso wie die deutlich niedrigere Höhe der italienischen Kultursteuer.

Der “Ethik-Steuer” schreibt Blum auch eine aus seiner Sicht positive Lenkungswirkung zu. Mit ihr könnte die Zahl der Kirchenaustritte möglicherweise gebremst und Trittbrettfahrerverhalten unterbunden werden, sagte der Wirtschaftswissenschaftler.  “Schließlich nehmen auch Nicht-Kirchensteuerzahler häufig soziale Dienste oder Seelsorger in Anspruch”, argumentierte Blum.

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23 Antworten zu „Mit Ethik-Steuer gegen die Kirchenaustritte“

  1. JBO Sagt:

    Pfui zu noch mehr Bevormundung, es geht nicht mehr ums Geld, es geht um Bevormundung im Leben. Ethiksteuer, Kirchensteuer. Was soll denn da noch kommen? Muß ich zahlen um “offiziell” gläubig sein zu dürfen? Frechheit. Guckt Euch diese Brüder da oben mal an, wie die leben. Mir reicht das. Beim Thema Kirche wird meistens nur noch über Geld gesprochen, nicht mehr über Werte und Menschen und innere Werte, stattdessen ist der schnöde Mammon der neue Gott geworden. Das Kapital korrumpiert immer wieder hohe Kirchenmitglieder. Es ist wie im Vatikan, die Kirche ist Staat im Staate, in allen Spaten der Gesellschaft, Politik, Wirtschaft etc., wer bei diesen, meiner Meinung nach “mafiösen” Machenschaften auch noch seinen finanziellen Beitrag leistet, der ist schlichtweg und ergreifend dumm. Ich tue es nicht, und wer mich zwingen will….Wer Wind sät wird Sturm ernten….

    Have a nice day. God is everywhere except in churches…

  2. ZAHLT IHR SÄCKE!!! « Dulsberg-Nord Sagt:

    [...] fordern, oder ein „Blaumannsteuer für Nicht-THW-Helfer“ oder einen „Steinergedächtnisausgleich für Nicht-Waldorfschülereltern“. Außerdem spart der Staat, anders [...]

  3. tischl Sagt:

    @YeRainbow:

    „…Wozu bezahlt man dann überhaupt einen Haufen Steuern, wenn dann noch ne Ethiksteuer dazukommen soll?…“

    Das war auch mein erster Gedanke. Bei dieser Staatsquote jetzt auch noch eine Zwangsabgabe „…für Organisationen, die etwas leisten, das der Staat nicht kann oder will…“? Da könnten wir auch gleich den Sozialismus wieder einführen, wenn wir ihn nicht schon längst hätten. ;-)

  4. YeRainbow Sagt:

    Mal so ne ganz stille Frage für mich selbst…

    Wozu bezahlt man dann überhaupt einen haufen Steuern, wenn dann noch ne Ethiksteuer dazukommen soll?
    In dem Falle wäre es doch viel einfacher und wesentlich leichter für alle, der Staat kassiert das einkommen einfach direkt und teilt jedem dann halt bissl was zum Leben zu.

    Da gibts dann auch keine so dummen Fragen mehr, man ist es gewohnt und nimmt hin, was man bekommt.
    so ne Art hartz4 für den Arbeitsbürger.

    Ok, ok, die Manager würden da weniger gern mitmachen. Für die findet sich ne Sonderregelung…

  5. El Schwalmo Sagt:

    @hic fuit

    === schnipp ===
    Übrigens darf mir jeder gerne vorwerfen, ich sei der Steuer wegen aus der Kirche ausgetreten. War mir einfach zu viel. Mein Selbstbild nimmt keinen Schaden, wenn ich pekuniäre Argumente gegen religiöse Beutelschneider ins Feld führe.
    === schnapp ===

    Du erinnerst Dich aber sicher noch daran, dass es um ein anderes Thema ging?

  6. skydaddy Sagt:

    Kirchenaustritte entlasten die Allgemeinheit!

  7. hic fuit Sagt:

    El Schwalmo:
    “Nein. Waldorfschulen erhalten Geld dafür, dass sie Schule machen, die der Staat sonst finanzieren müsste.”
    Ersetzung:
    “Nein. Kirchen erhalten Geld dafür, dass sie Einrichtungen betreiben, die der Staat sonst finanzieren müsste.” Übrigens geschieht das laut Gesetz “aus kirchenpolitischen Erwägungen”.

    Analog:
    Nicht-Kirchensteuerzahler sollen Ethiksteuer entrichten.
    Ersetzt:
    Eltern, die den (etwa 10%?) Beitrag zur gesellschaftlich hochwichtigen Waldorfschule nicht entrichten, sollen einen Steinergedächtnisausgleich leisten.

    Das Argument, in Italien habe man etwas ähnliches, ist bislang übrigens wohl nur aus Taktgefühl nicht kommentiert worden.
    Übrigens darf mir jeder gerne vorwerfen, ich sei der Steuer wegen aus der Kirche ausgetreten. War mir einfach zu viel. Mein Selbstbild nimmt keinen Schaden, wenn ich pekuniäre Argumente gegen religiöse Beutelschneider ins Feld führe.

  8. YeRainbow Sagt:

    ich hätte auch keine werbefinanzierten Sender geguckt.
    Ist mir alles zu müllig.

    Müßte ich trotzdem ne Kommunikationsabgabe zahlen?
    Seh ich schon etwas anders.

    letzlich gehts halt wie immer um Machterhalt.
    Und die Kirchen haben zwar besondere Rechte (zB über ihre Arbeitnehmer), aber sie wünschen nicht, mit anderen Vereinen konkurrieren zu müssen.
    nein, das wollen sie nicht.

  9. antiökofa Sagt:

    “Ich zahle schon seit vielen Jahren keine Kirchensteuer, spende aber einen entsprechenden Betrag an Organisationen, deren Arbeit ich okay finde.”

    Find ich gut. Wetten du tust das freiwillig?

  10. El Schwalmo Sagt:

    @hic fuit

    === schnipp ===
    Das macht eigentlich Sinn: Organisationen, die etwas leisten, das der Staat nicht kann oder will, sollen unterstützt werden.
    === schnapp ===

    === schnipp ===
    Es ist doch zunächst skandalös, dass der Staat Aufgaben der Fürsorge an die Kirchen delegiert. Z.B. Kindergärten.
    === schnapp ===

    In diesen Fall delegiert er nicht.

    === schnipp ===
    Wer keine GEZ-Gebühren zahlt, soll eine Kommunikationsabgabe zahlen?
    === schnapp ===

    Nein. Der soll nur Sender hören, die werbefinanziert sind.

    === schnipp ===
    Wer keine Mitgliedsbeiträge zu politischen Parteien zahlt, soll einer Staatsgebühr unterliegen?
    === schnapp ===

    Das ist ein non sequitur, denn die bekommen eine Pauschale für erhaltene Stimmen.

    === schnipp ===
    Wer kein Kind in einer Waldorfschule hat, soll einen Steinergedächtnisausgleich leisten?
    === schnapp ===

    Nein. Waldorfschulen erhalten Geld dafür, dass sie Schule machen, die der Staat sonst finanzieren müsste.

    === schnipp ===
    Leute, die Kirchensteuer zahlen, sollten zusätzlich das Doppelte an Ethiksteuer wie Konfessionslose aufbringen, um den Schaden auszugleichen, den die Kirchen anrichten.
    === schnapp ===

    Und Autofahrer eine Strafsteuer?

    Unter uns: gehst Du selber davon aus, dass man Deine Beispiele mit einem Argument verwechseln könnte?

  11. El Schwalmo Sagt:

    @Van

    === schnipp ===
    Ob Dir jemand diesen Vorwurf machen kann, ist doch nicht wirklich davon abhängig, ob ihm Deine Spendertätigkeit bekannt ist, oder?
    === schnapp ===

    für mich schon. In diesem Fall habe ich ein Argument, das ich sonst nicht hätte.

    Wie gesagt, der Staat delegiert auch Aufgaben, und es ist durchaus sinnvoll, nicht alles ‘von oben’ zu reglementieren. Den Gedanken an eine Sozialsteuer finde ich durchaus nicht unangebracht. Allerdings als Ersatz für eine Kirchensteuer. Damit wäre allen gedient, denn die Menschen, die in der Kirche sind, müssten sich dann entscheiden, ob sie den Beitrag für die Kirche verwenden möchten.

  12. hic fuit Sagt:

    El Schwalmo: “Das macht eigentlich Sinn: Organisationen, die etwas leisten, das der Staat nicht kann oder will, sollen unterstützt werden.”
    Es ist doch zunächst skandalös, dass der Staat Aufgaben der Fürsorge an die Kirchen delegiert. Z.B. Kindergärten.
    Wer keine GEZ-Gebühren zahlt, soll eine Kommunikationsabgabe zahlen?
    Wer keine Mitgliedsbeiträge zu politischen Parteien zahlt, soll einer Staatsgebühr unterliegen?
    Wer kein Kind in einer Waldorfschule hat, soll einen Steinergedächtnisausgleich leisten?

    Leute, die Kirchensteuer zahlen, sollten zusätzlich das Doppelte an Ethiksteuer wie Konfessionslose aufbringen, um den Schaden auszugleichen, den die Kirchen anrichten.

  13. YeRainbow Sagt:

    yepp.
    Nur ob das der liebe Herr Blum und seine Religions-Institutionen so hören wollen….
    hm…
    hab da so meine Zweifel.

    also, die darf man dann nicht so direkt fragen, denn die Antwort ist klar.
    im übrigen bezahlen die sozialen einrichtungen der Kirchen doch die Steuerzahler. ist bekannt.

  14. RockTillDeath Sagt:

    Wir könnten auch einfach das Reichskonkordat von Onkel Adolf in den Wind schießen und mit dem Geld den Anteil, den die Kirchen für soziale Organisationen aufbringen, bezahlen. Da müsste sogar noch ein nettes Sümmchen für Vater Staat übrig bleiben.

  15. YeRainbow Sagt:

    ja, da kommmt es in Definitionsprobleme.

    Und die Definitionshoheit liegt eventuell nicht beim austrittswilligen christen.
    zB katholisch: einmal kath. getauft, IMMER Katholik (mal die Grundlagenliteratur lesen….)

    Bei den anderen ist es nicht viel anders. Man nennt sie dann nicht unbedingt Atheisten (ihre ungetauften Kinder vielleicht…. ), sondern Abtrünnige.

    Und da sollte der Abtrünnige mal fix überlegen, ob und wann er das offiziell machen will.
    Also, muß ja jeder selbst entscheiden (und wer weiß, wer zu lange wartet, zahlt wirklich ne Strafsteuer…. kann man dem Staate trauen? hm?), aber bei manchen Dingen bringt Abwarten eben keine echten Vergünstigungen.

    also, liebe Gläubige,nehmt den herrn Blum bißchen ernst.
    und fällt halt Eure Entscheidung entsprechend.
    Klar genug waren seine Worte.

    (ganz nebenbei, ich hab für die Abtrünnigen genauso viel übrig wie für die gebürtigen Atheisten oder Ungläubigen oder – wie ich, ich definiere mich nicht über einen Gott, egal ob ich ihn “negiere” oder “anbeten müßte” – A-Dackelisten, denn ich bin KEIN Atheist, ich bin A-Dackelist, Dackel kommt bie mir nicht ins haus. Und Gott ist für mich belangloser als der Dackel)

  16. Van Sagt:

    @ YeRainbow:
    ===== schnipp =======
    Wenn ich das richtig verstanden habe, so gehts nicht um die Atheisten.
    Sondern die Christen mit Austrittswunsch.
    ===== schnapp =======

    Es soll auch Atheisten geben, die einen Austrittswunsch haben, weil sie sozusagen ehemalige Christen sind.

  17. YeRainbow Sagt:

    Wenn ich das richtig verstanden habe, so gehts nicht um die Atheisten.
    Sondern die Christen mit Austrittswunsch.
    Menschen wie mich – nie getauft – tangiert sowas nur entfernt.

    Weshalb sollte ich etwas bezahlen, was mich nie betraf?

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß mit einer solchen Zwangs-Mitgliedsabgabe juristisch alles sauber zuginge.

    Ds erinnert schon sehr an sozialistische Ideen…. Oh, oh…

  18. Van Sagt:

    @ El Schwalmo:
    ==== schnipp ===========
    Ich zahle schon seit vielen Jahren keine Kirchensteuer, spende aber einen entsprechenden Betrag an Organisationen, deren Arbeit ich okay finde.

    So kann mir niemand den Vorwurf machen, ich würde nur aus der Kirche austreten, weil ich ein paar Euronen sparen möchte.
    ===== schnapp =========

    Ob Dir jemand diesen Vorwurf machen kann, ist doch nicht wirklich davon abhängig, ob ihm Deine Spendertätigkeit bekannt ist, oder?

  19. El Schwalmo Sagt:

    @hic fuit

    === schnipp ===
    Oder meint irgendjemand, diese Vorschläge seien nicht dazu gedacht, Konfessionslose zu bestrafen?
    === schnapp ===

    man kann das auch ganz anders sehen. AFAIK hat Italien schon so etwas. Das macht eigentlich Sinn: Organisationen, die etwas leisten, das der Staat nicht kann oder will, sollen unterstützt werden.

    Ich zahle schon seit vielen Jahren keine Kirchensteuer, spende aber einen entsprechenden Betrag an Organisationen, deren Arbeit ich okay finde.

    So kann mir niemand den Vorwurf machen, ich würde nur aus der Kirche austreten, weil ich ein paar Euronen sparen möchte.

  20. tischl Sagt:

    „…Der „Ethik-Steuer“ schreibt Blum auch eine aus seiner Sicht positive Lenkungswirkung zu. Mit ihr könnte die Zahl der Kirchenaustritte möglicherweise gebremst und Trittbrettfahrerverhalten unterbunden werden, sagte der Wirtschaftswissenschaftler…“

    Wenigstens ist Blum ehrlich! Diese Ethiksteuer wäre ein hervorragendes Schutzprogramm für die etablierten Kirchen. Ohne den finanziellen Aspekt würden es sich viele Austrittswillige noch einmal überlegen. Wenn man so und so zahlen muss, bleibt man aus Bequemlichkeit eben da, wo man gerade ist.

    Es brauchen keine neuen Abgaben eingeführt werden, sondern die Kirchensteuer muss endlich abgeschafft werden. Die Kirchen sollen, wie jeder anständige Verein, ihre Mitgliedsbeiträge selbst „eintreiben“ und ihren Vorstand aus eigener Tasche bezahlen. Diese ewige Schnorrerei muss ein Ende haben.

    Wer hier wirklich „Trittbrettfahrer“ ist, zeigt dieser Überblick:
    http://www.stop-kirchensubventionen.de/index.html

  21. Michael Sagt:

    … vor allem geht es darum, die Panikattacken der Geistlichen ob der massiven Kirchenaustritte zu lindern. Daß dies damit verbunden werden kann, dem asozialen, aggressiven und militanten Atheistenpack eines auszuwischen kann, nimmt man natürlich gerne mit ;-)

  22. Tweets die Mit Ethik-Steuer gegen die Kirchenaustritte « Brights – Die Natur des Zweifels erwähnt -- Topsy.com Sagt:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von nickpol, nickpol erwähnt. nickpol sagte: Mit Ethik-Steuer gegen die Kirchenaustritte: http://wp.me/p36Ae-1KK Die Drogenfantasien des Ulrich Blum #Religion #Steuer [...]

  23. hic fuit Sagt:

    Solche Vorschläge erinnern einen immer daran, wer die wahren Feinde sind, danke. Oder meint irgendjemand, diese Vorschläge seien nicht dazu gedacht, Konfessionslose zu bestrafen? Auf dem Weg zum Gottesstaat, immer wieder.


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