Dodo des Monats November 2009

Dodo des Monats November 2009

Mit Verlaub Herr Meisner, Sie sind ein Idiot. Während alle Welt, zumindestens die vernünftigen Teile sich um Dialog bemühen, Vertreter von Wissenschaft und Religion Schnittmengen ausloten, geben Sie im Tempel zu Köln den katholischen Taliban.

So hat eben jede Religion ihren Mullah Omar.
Im September 2007 erhielten Sie den Dodo des Monats für folgenden Satz:

“Dort wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.”

Jeder Politiker der solches von sich gibt hätte seinen Hut nehmen müssen. Mit Recht.  Etwas mehr als zwei Jahre gehen ins Land und eine neue Brandfackel wird von Ihnen geschleudert. “Wissenschaftlicher Atheismus, Richard Dawkins und Peter Singer werden von Ihnen mit den Nazis und der DDR verglichen.” Solche moralischen Argumente machen sich gut, sachlich nicht zu widerlegen wird etwas Vergangenes verurteilt. Dass der wissenschaftliche Atheismus Ihnen ein Kreuz im göttlichen Auge ist will ich gern “glauben”. Aber Singer und Dawkins werden von Ihnen als ganz persönliche Feinde geoutet. Wissenschaft ist schon schlimm, aber zu allgemein, mit Singer und Dawkins kann man den Feind personifizieren, ihn quasi aus der anonymen Ecke der Wissenschaft herauszerren und an den Pranger stellen. Sie nehmen mir nicht übel, und wenn ist es mir egal, wenn solche Personen wie Sie für mich nicht das Korrektiv meines Denkens und Handelns  sind.

In den vergangenenen 200 Jahren wurden Ihnen und Ihresgleichen die Krallen kräftig geschnitten. Die politische Macht und/oder die direkte Beinflussung derselben wurde Ihnen entzogen, heute können Sie zu einem Kreuzzug gegen die Atheisten oder die Wissenschaften aufrufen, es wird niemand kommen, dessen bin ich sicher. Einer kritischen Auseinandersetzung mit dem  atheistischen Problem,  oder aber Ihre konträren Ansichten über die Wissenschaften wäre vernünftig gewesen. In guter, 2000-jähriger Tradition fordern Sie von anderen Vernunft ein, die Sie selbst nicht einbringen wollen. Mit solchen, durchaus menschlich zu verstehenden Eigenschaften, verorten Sie sich in die große Schar religiöser Fundamentalisten. Imame, die in ihren Predigten solche Vergleiche anführen würden, werden Hassprediger genannt und müssen mit der Ausweisung aus Deutschland rechnen.

Wann fangen Sie, Herr Meisner, an, ganz kritisch die Geschichte des Katholizismus, der katholischen Kirche zu analysieren. Dann würden solche intellktuellen “Entartungen” nicht mehr passieren. All das Unrecht, welches im Namen der katholischen Kirche begangen wurde, ob nun in Europa oder in den Amerikas und sparen Sie bitte nicht die katholische Kirche und die Nazizeit aus. Es dürften einige Überraschungen auf sie warten. Den kleinen, dümmlichen Antikommunismus, geschenkt, Herr Meisner, dessen haben sich ganz Andere bedient, da muss ich mich nicht wiederholen. Das Glashaus “Kirche” ist schon lange kaputt, Sie und Ihresgleichen stehen im Freien. Mit Hasspredigten dieser Art, schlagen Sie nicht nur den eigenen Gläubigen vor den Kopf, Bravo Herr Meisner, angesichts einer solchen intellektuellen Leistung geht der zweite Dodo des Monats völlig richtig an Sie.

Meinen Glückwunsch an den katholischen Taliban von Köln.

5 Antworten zu „Dodo des Monats November 2009“

  1. Joe Sagt:

    Und wieder fährt ein hoher Würdenträger der Katholiban diesen wundervollen Preis ein…
    Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit bis der Dodo – eigentlich ein Schandmal für ideologische Vernagelung- von der katholischen Kirche vereinnahmt wird. Vermutlich sehen die in der Verleihung des Dodos in Zukunft eine Art Kompliment. So ist es ja auch nicht undenkbar, wenn aus dem Kreuz (eine antike Strafe für Hochverräter) plötzlich DAS Heilssymbol wird. Man könnte sich genau so gut einen elektrischen Stuhl um den Hals hängen.
    Und der Dodo hat dieses Potential m. E. ebenfalls, da er diese Leute vor allem argumentativ (!) in keinem guten Licht darstellt.
    Die Moral von der Geschicht: Vorsicht vor Leuten mit Dodo-Anhängern/Orden! Es könnten die Katholiban sein, die die Konterrevolution proben.

  2. Max Headroom Sagt:

    YES ! Mein Favorit … mal wieder … hat ihn bekommen. Und dazu noch eine fantastische Laudatio, die nicht mit der Säure spart :) .

    Herr Meisner, der gottgeschickte Mann mit direktem Draht zum Himmel, hat sich auch dieses Mal dank seiner kräftigen Hassrede qualifiziert. Ich habe seine Ausführung schon breitgetreten und mich über seine Sicht der Tatsachen amüsiert. langsam wird es Zeit, diesen Mann vom Erzbischof zum Fantasyautor zu degradieren. Doch leider ist der Platz schon von Herr Benedikt besetzt worden ;) .

    Wir können aber sicher sein, Herr Meisner wird nicht in die Bedeutungslosigkeit versinken. Dieser Gottesbeamte wird in absehbarer Zeit – Die Weihnachtszeit kommt ja immer näher ;) – uns wieder mit wunderschönen Nazi-Keulen, Atheismusphobien und weiteren “entarteten” Horrormärchen begegnen, wetten ?

    Nochmals… herzlichen Glückwunsch für den zweiten Vogel in ihrer Sammlung. Ich geh’ nun erstmal einen heißen Wein trinken, um über das mulmige Gefühl im Magen, welches ich bei der Erinnerung über seinen dawkinsche Rassezüchtungswahnmärchen bekomme, hinwegzukommen. Prosit ! :) .

  3. ali Sagt:

    Es wird Zeit, dass wir in der Schweiz Kirchtürme verbieten. So als Zeichen. Wo kämen wir denn hin, dürften solche Dodos von jeder Turmspitze in die Welt krächzen.

  4. Rince Sagt:

    Einen herzlichen Glückwunsch an Herrn Meißner, der Dodo ist aufrecht verdient. Und Danke für die Würdigung, sie trifft ins Schwarze.

  5. Tweets die Dodo des Monats November 2009 « Brights – Die Natur des Zweifels erwähnt -- Topsy.com Sagt:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von nickpol, R P (Germany) erwähnt. R P (Germany) sagte: Glückwunsch zum Dodo des Jahres an Kardinal #Meisner – den katholischen Taliban von Köln http://skyfire.me/?i=9act [...]


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