Warum gibt es Sexualität?

Von Martin KochND

US-Forscher nähern sich einem der großen Rätsel der Biologie

Charles Darwin war nicht nur ein genialer, sondern auch ein bescheidener Forscher. Gelang es ihm nicht, ein Problem im Rahmen seiner Evolutionstheorie zu lösen, gestand er dies freimütig ein. Ein solches Problem stellte sich ihm 1862 in Gestalt der sexuellen Fortpflanzung. Als er bei der Suche nach den letzten Ursachen für deren Vorherrschaft in der Natur nicht so recht vorankam, notierte er: »Die ganze Angelegenheit liegt bisher völlig im Dunkeln.«

Zwar haben Darwin selbst und nachfolgende Biologengenerationen vieles getan, um die Vorzüge der geschlechtlichen Fortpflanzung zu ergründen. Als gelöst gilt das Rätsel der Sexualität jedoch bis heute nicht. Das renommierte Fachjournal »Nature« kam 2007 in einem Aufsatz zu dem fast schon resignativen Schluss: »Die Frage, warum Sexualität eine so verbreitete Reproduktionsstrategie ist, entzieht sich nach wie vor allen Erklärungsversuchen.« Und der bekannte britische Biologe John Maynard Smith sprach gelegentlich sogar von einem »evolutionären Skandal«, den die Sexualität umgebe.

Denn rein quantitativ betrachtet bringt ein Organismus, der sich ungeschlechtlich vermehrt, mehr Nachkommen hervor und gibt seine Gene vollständig an die nächste Generation weiter. Viele Arten pflanzen sich übrigens genauso fort, und manche tun dies sehr erfolgreich. Bleibt die Frage, warum die Natur dann überhaupt die Sexualität erfunden hat. Zumal diese zwei entscheidende Nachteile besitzt: Erstens übertragen sexuell aktive Organismen nur die Hälfte der eigenen Gene in die nächste Generation. Und zweitens müssen Weibchen und Männchen sich erst finden und umwerben, bevor sie zum Geschäft der Fortpflanzung übergehen können. Heute empfinden die meisten Menschen dieses Liebesspiel bekanntlich als lustvoll. Aber als die Sexualität vor vielen Jahrmillionen entstand, konnte von einer lustvollen Kopulation sicherlich keine Rede sein. Das heißt: Es muss seinerzeit andere starke Gründe dafür gegeben haben, dass immer mehr Organismen von der asexuellen zur sexuellen Fortpflanzung übergingen.

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3 Antworten zu „Warum gibt es Sexualität?“

  1. Trinculo Sagt:

    Stelle ich mir irgendwie interessant vor, wenn sich Menschen statt durch Sex durch Querteilung vermehren würde. :D

  2. YeRainbow Sagt:

    Der Unterschied ist halt der, daß man das als Theorie kannte. Inzwischen gibts auch noch experimentelle Ergebnisse, die diese Theorie stützen.

    Und genau so funktioniert Wissenschaft.
    Zuerst die Hypothese, dann die Theorie, dann experimentelle Daten.

    Das “Wie” hingegen wird noch Frage bleiben. Da warten wir mal auf die Zeitmaschine oder leiten Modelle aus den experimentellen Daten ab…. was aber auch wieder nur simulationen erlaubt.
    eigentlich logisch, oder man hat ne Zeitmaschine….

  3. Nanomyte Sagt:

    Große Rätsel der Evolution?

    Ich habe Ende der 80er Jahren ein Buch zur Hand gehabt in dem stand bereits ein Umriss der im Artikel hochgelobten “Neuverifikation”:

    Wortwörtlich aus dem alten Schinken:
    “Wissenschaftler gehen davon aus, dass sexuelle Fortpflanzung einen wesentlich schnelleren Anpassungerfolg an veränderte Umweltbedingungen ermöglichst und eine viel breitere genetische Basis schaffen kann, damit die meisten aggresiven Mikroben und Viren nicht eine gesamte Art sondern nur prozentuale Anteile befallen können.
    Genetische Klone stünden alternativ wesentlich schlechter dar aufgrund stets identischer fehlerbehafteter Abwehrmaßnahmen.”

    Ich hatte eigentlich erwartet ein genaueres Essay darüber zu lesen WIE der genaue Übergang von einer Funktion zur Anderen vor Jahrmillionen erfolgte.


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