Wahn und Wissenschaft

Mehr als 200'000 Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben werden geschlachtet: Massentieropfer in Nepal. Bild: Keystone

Von Ingolf BossenzND

Ein hinduistisches Fest begann am Dienstag im Süden Nepals. Wenn es morgen zu Ende geht, werden die Gläubigen etwa eine viertel Million Tiere wie Büffel, Ziegen, Schafe und auch Vögel geopfert, also abgeschlachtet haben. In dieser Woche feiern zudem die Muslime das sogenannte Opferfest, anlässlich dessen weltweit – auch mitten in Europa – Schafe, Ziegen, Rinder ohne vorherige Betäubung geschlachtet werden. So will es das religiöse Ritual. Der Wahn, lebende Wesen irgendwelchen Gottheiten zu »opfern«, betrifft heute – von bizarren Ausnahmen abgesehen – »nur noch« Tiere.

Dies begünstigt zweifellos die vom britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins beobachtete »Tendenz, wunderliche religiöse Gewohnheiten einzelner ethnischer Gruppen zu glorifizieren und die in ihrem Namen begangenen Grausamkeiten zu rechtfertigen«.

Allerdings hat die säkulare, angeblich aufgeklärte Gesellschaft wenig Grund, solch atavistisches Brauchtum zu verdammen. Allein die Millionen Tiere, die alljährlich in dubiosen Versuchen geopfert werden, verbieten dies. Die britische Fachzeitschrift »BMC Physiology« veröffentlichte jetzt eine Untersuchung, die den Zusammenhang zwischen Autoabgasen und aggressivem Verhalten nachweisen sollte. Dabei mussten Ratten die Emissionen konzentriert einatmen. Blauer Dunst braucht keinen Gott.

5 Antworten zu „Wahn und Wissenschaft“

  1. YeRainbow Sagt:

    viele Tierversuche sind nötig.
    Wer schon – wie ich – Kinder in der Krebsklinik gesehen hat, wird das verstehen.

    Tierversuche für Kosmetik sind so ne Sache. Klar ist, daß niemand eine hautcreme verwenden sollte, die dann zu fatalen Nebenwirkungen bei ihm führt.

    Daß viel zu viele und viel zu leichtfertige solcher Versuche und solcher Produkttests, ja viel zu viele Produkte (also Vielfalt ist ja ok, aber dermaßen unsinnig zugeschüttet?) ablaufen, ist nicht eine Frage der Wissenschaft als Erkenntnismethode.

    Das ist ein kulturelles Ding. wo es um Profite geht, ist der Verstand eher im Hintertreffen.
    Da unsere Kultur eine der privaten Profitmaximierung (und der vergesellschaften Verluste) ist, muß einer halt die Zeche bezahlen. je nach angelegenheit sind das entweder Bankkunden oder eben Kaninchen. Jeder zahlt mit dem, was man ihm nehmen kann.
    Das ist gute christliche Einstellung. Die Verneinung des Besitzes (für die menge, nicht für die Führungsschicht natürlich) oder des Leibes (fürs Kaninchen der einzige Weg ins christenreich…)

    Wir haben keinen Grund, auf irgendwen mit dem Finger zu zeigen. Aber ein sachliches Gespräch über reale Vorgänge sind allemal sinnvoll.

  2. AndreasA Sagt:

    “Allerdings hat die säkulare, angeblich aufgeklärte Gesellschaft wenig Grund, solch atavistisches Brauchtum zu verdammen.”

    Doch, wir dürfen und müssen solche Praktiken verdammen, denn ein “Aufrechnen” kann es da nicht geben.
    Selbst wenn Tiere unsinnig für Versuche hergezogen und getötet werden, so darf ich doch beide Seiten ermahnen, dies zu lassen.
    Dies ist übelste Manipulation, oder der Schreiber merkt nicht, wie sehr er schon von seiner Religion verblendet ist.

  3. entdinglichung Sagt:

    Tieropfer waren (und sind in einigen wenigen Gesellschaften noch heute, so z.B. bei den Apatani in Arunachal Pradesh) teilweise ursprünglich Rituale der Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums

  4. tischl Sagt:

    „…Allerdings hat die säkulare, angeblich aufgeklärte Gesellschaft wenig Grund, solch atavistisches Brauchtum zu verdammen. Allein die Millionen Tiere, die alljährlich in dubiosen Versuchen geopfert werden, verbieten dies.“

    Es ist vollkommen richtig, dass in der zivilisierten Welt viel zu viele Tiere sinnlos(!) in den Versuchslaboren ihr Leben lassen müssen, z.B. für Kosmetika, Botox etc. Diese Tatsache, die an sich schon schrecklich genug ist, jetzt auch noch zur Rechtfertigung bzw. Relativierung von unbarmherzigen, archaisch-religiösen Tierschlachtungen zu missbrauchen, schlägt doch dem Fass den Boden aus. Armes Neues Deutschland.

  5. Gunnar Sagt:

    Ich halte es für gewagt, Tierversuche und Tieropfer gleichzusetzen. Über den Sinn oder Unsinn einzelner Versuche kann gerne gestritten werden. Aber Tieropfer sind generell unsinnig. Es handelt sich in meinen Augen um den veruch, Wissenschaft und Religion gleichzusetzen


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