Darwin und die »Affenfrage«

Seriöser Schweiger: Charles Darwin (12.2.1809–19.4.1882 / Foto vermutlich aus dem Jahr 1874)

Vor 150 Jahren erschien das epochemachende Buch »Die Entstehung der Arten« des bedeutendsten Naturforschers des 19. Jahrhunderts. Teil 1: Wer ist unser nächster (tierischer) Verwandter?

Von Volker Schurig – junge Welt

Mit dem Namen Charles Darwin sind in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen verbunden: sein 200. Geburtstag am 12.Februar 2009 und der 150. Jahrestag der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Buches »On the origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoured races in the struggle for life«. »Die Entstehung der Arten«, wie der Band in der deutschen Übersetzung heißt, erschien am 24. November 1859 mit einer Auflage von zunächst nur 1500 Exemplaren. Die Lebendigkeit der bald einsetzenden Diskussionen um die biologische Evolutionstheorie zeigt sich an der Auflagenfolge: 1860 erscheint die 2., 1861 die 3., 1866 die 4., 1869 die 5. und 1872 die 6. Auflage.

Was man in all diesen Auflagen bis 1872 überraschenderweise – jedenfalls aus heutiger Sicht – nicht findet, ist der Begriff »Evolution«. Dieses Fehlen läßt erahnen, daß die Evolutionstheorie sich seit 1859 in einem ständigen Umbau befindet und revolutionäre Umbrüche erfahren hat: als Neodarwinismus durch den Zoologen August Weismann (1834–1914) und mittels einer synthetischen Verknüpfung mit der Genetik durch den deutsch-amerikanischen Taxonomen Ernst Mayer (1904–2005).

Nach 1859 firmiert die heutige Evolutionstheorie zunächst unter den verschiedenen Bezeichnungen »Deszendenztheorie« (Abstammungslehre), »Mutations-/Selektionstheorie«, »Synthetische Evolutionstheorie« und für eine kurze Zeit nach 1859 in der Öffentlichkeit als »Affentheorie«. Durch Darwins Evolutionstheorie wurde das bis 1859 herrschende Bild vom Affen radikal umgestoßen und die Begründung der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft mit den fünf »großen« Menschenaffenarten Orang-Utan, zwei Gorilla- und zwei Schimpansenarten immer präziser. (Die »kleinen« Menschenaffenarten sind die Gibbons.) Der Tier-Mensch-Unterschied ist seit Darwin einer der wichtigsten Themenbereiche der Evolutionstheorie, da man seither immer wieder und immer genauer wissen will: Wie verwandt sind wir wirklich mit den Affen?

Heftiger Widerstand

Affenbilder, im wahrsten Sinne des Wortes, waren als zeichnerische Darstellung von Beginn an ein Bestandteil der seit 1859 einsetzenden Darwin-Debatten – sein Mitstreiter Alfred Wallace (1823–1913) bezeichnete diese Diskussionen 1889 als »Darwinismus« und hat so den bis heute gebräuchlichen Begriff geprägt. Berühmt wurde eine 1861 in der Zeitschrift Punch erschienene Abbildung eines Gorillas, dem ein Bild mit der Inschrift »Am I a Man and a bro­ther?« (Bin ich ein Mensch und ein Bruder?) umgehängt war. Der Gorilla war in seinem Gesichtsausdruck und der Körperhaltung dabei so gezeichnet, daß ihn niemand zum Verwandten haben wollte oder sollte.

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