Kontrollierter Religionsunterricht?

Der Philosoph, Quelle: toonpool.com

Der Philosoph, Quelle: toonpool.com

Warnung vor kreationistischem Gedankengut – Aktion stößt auf scharfe Kritik

Kath.Net

Eine Initiative der atheistischen Giordano Bruno Stiftung sorgt für scharfe Kritik in kirchlichen Kreisen. In einer Rundmail werden Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler in Berlin aufgerufen zu prüfen, ob der Religionsunterricht dem Berliner Schulgesetz entspricht. In erster Linie wird in dem Schreiben vor kreationistischen Lehren gewarnt. Dazu heißt es: „Die Behauptung, eine unsichtbare Supermacht namens ,Gott’ habe das Universum, die Erde und die Menschen in sechs Tagen erschaffen, steht nicht nur im Widerspruch zu Erkenntnissen über den Menschen und seine Umwelt, sondern auch zu den im Berliner Schulgesetz genannten fachlichen Maßstäben, die in anderen Fächern eingehalten und gelehrt werden.“

Auch die „überholten“ und „pädagogisch äußerst problematischen Geschichten“ von Hölle, Teufel und anderen Grausamkeiten würden sensiblen Kinderhirnen in diesem Zusammenhang ungefiltert vermittelt.

Die Empfänger des Schreibens werden unter anderem dazu aufgerufen, die Religionsräume an ihrer Schule – sofern möglich – auf kreationistische Schlagworte wie „Spannungsfeld zwischen Schöpfung und Evolution“, „Zufall?“, „Wissenschaftsglaube“, „Intelligent Design“ zu überprüfen. Auch die Arbeitsmaterialien des Religionsunterrichts solle man anhand der Frage kontrollieren, ob hier religiöser Glaube als Glaube oder Wahrheit vermittelt wird. Ferner wird dazu aufgefordert, nach Gruppierungen wie dem „Missionswerk Werner Heukelbach“ und dem Verlag „Wort und Wissen“ Ausschau zu halten. Verstöße gegen das Schulgesetz sollten umgehend der Schulleitung oder der Schulbehörde gemeldet werden, heißt es.

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Anm. Blog:

Ein unnützes, demagogisches und populistisches Vorgehen der “Evolutionären Humanisten Berlins”, die als ein Ableger der GBS, der Absender der Mail sind.

Es geht um Religionsunterricht, der wird nach Art. 7 Abs. 3 GG im staatlichen Verantwortungsbereich erteilt. Dadurch erhalten die Religionsgemeinschaften die Möglichkeit den “Bekenntnisinhalt, nämlich die Glaubenssätze der jeweiligen Religionsgemeinschaft” zu vermitteln1. Das Grundgesetz sichert dies durch die im Satz 2 fixierte Norm, wonach der Religionsunterricht ” in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt” wird. Daraus folgt, dass es deren Vorstellungen “über Inhalt und Ziele der Lehrveranstaltung [sind, die] maßgeblich sind2.
Sache des Staates ist es, Religionsunterricht als Pflichtfach einzurichten. Religionsunterricht untersteht “staatlichem Schulrecht und staatlicher Schulaufsicht”3. Das berechtigt ihn einerseits, andereseits aber auch nur, zu prüfen, “ob die Anforderungen, die die Kirchen stellen, die inhaltliche Gestaltung des Religionsunterrichts betreffen, und ob sie sich innerhalb der Grenzen bewegen, die durch den verfassungsrechtlichen Begriff des “Religionsunterrichts” gezogen sind”4

Damit ist eigentlich alles zum Thema Kontrolle des Religionsunterrichts gesagt. Die Verfasser der Mail hätte sich besser mit dem grundgesetzlichen Bestimmungen und Regelungen befassen sollen. Aktionen dieser Art sind kontraproduktiv und schaden dem säkularen Spektrum in diesem Lande mehr, als sie nützen.

1BVerfGE 74, 244,252.
2BVerfGE 74, 244, 252, 254.
3BVerfGE 74, 244, 251.
4BVerfGE 74, 244, 255 f. Zur Regelung des brandenburgischen Schulgesetzes s. den “Vorschlag des BVerfGs für eine einheitliche Verständigung”, BVerfGE 104, 305.

18 Antworten zu „Kontrollierter Religionsunterricht?“

  1. Max Headroom Sagt:

    @hic fuit

    Das ist ja nett, Max Headroom, dass wir einander zur Abwechslung auch mal verstehen können.

    Der Fehler lag auch ein wenig meinerseits, da ich mich zu sehr in den Kreationistenbereich vertieft hatte und mich wunderte, weshalb eine Mail plötzlich ein Problem darstellt ;) .

    Was würden die Initiatoren wohl von einem Wort der Entschuldigung bei allen außer den Schulleitungen halten?

    Das müssen die entscheiden. Etwas weniger pauschalisiertes “drauftreten” auf den Geisterglaube wäre mir pers. schon genug. Ansonsten wird man wahrscheinlich schnell das Etikett des Denunziantentums an sich haften sehen, wie Exmoonie es angedeutet hat.

    Doch eine Reaktion  auf das kreationistische Gedankengut war schonmal ein richtige Schritt. Es geschah vielleicht nicht in der nötigen Form, etwas zu forsch und ggf. schädigend für den “Ruf” ungläubiger Mitmenschen, aber dies kann ich der Unkoordination des simplen Zustandes “Atheismus” zurechnen.

    Amüsanterweise ist Kathnet zu dem Missionswerk und dem kreationistischem Gedankengut in der News nicht besonders tief eingegangen und reagierte einfach nur “empört” über die Mail. Gemäß nickpols “qui tacet, consentire videtur” Zitat lasse ich dies ebenfalls offen im Raume stehen. (es herrscht eindeutig zu viel Latein in göttlichen Kreisen. Ich war und bin keine Leuchte in dieser toten Sprache. Mea culpa :P .)

    “Die Beschäftigung mit biblischen Aussagen zur Schöpfung und mit dem Schöpfungsglauben ist für den Religionsunterricht unaufgebbar. Das hat nichts mit einer Befürwortung des Kreationismus zu tun“, so Lüpke.

    Im Religionsunterricht kann man den Schöpfungsglauben nicht aufgeben. Dem stimme ich zu. Aber weshalb nun das Missionswerk an der Schule kreationistische Materialien verteilte, hat Herr Lüpke leider nicht klar gemacht. Wie steht Herr Lüpke zur Behauptung des Blättchens, dass die Evolutionstheorie unbelegt sei aber der Schöpfungsmythos eine “unumstößliche Wahrheit” sei ? Wie gesagt… kein Mythos, sondern Wahrheit ? Von Seiten der Kathnetter kommt mir diesbezüglich viel zu wenig rüber.

  2. sapere aude » Blog Archive » Brights, die GBS und das Berliner Schulgesetz Sagt:

    [...] zur Aufdeckung kreationistischen Gedankengutes. Ohne hier ins Detail gehen zu müssen: Wenn der Brightsblog meint, hier für das säkulare Spektrum zu sprechen, wenn er diese Maßnahme kritisiert, dann irrt er [...]

  3. hic fuit Sagt:

    Das ist ja nett, Max Headroom, dass wir einander zur Abwechslung auch mal verstehen können. Jetzt gibts auch mal ein Smiley :-) , weil ich Dir rundum zustimme, gerade auch in Bezug auf das kath.net-Topic.

    Vielleicht sehen nun manche Funktionäre ein, dass es ein Problem gibt. Vielleicht merken nun manche, dass ein Blog der Meinungsäußerung dient und dass das Argument “Schubladendenken” an Schlichtheit nicht zu toppen ist: das kenne ich eigentlich nur von Esoterikern.

    Was würden die Initiatoren wohl von einem Wort der Entschuldigung bei allen außer den Schulleitungen halten?

  4. Max Headroom Sagt:

    @hic fuit

    Damit sollte klar sein, dass ich in erster Linie die Auswahl der Adressaten kritisiere.

    Okay, nun wird es klarer ;) . Bei der Schulleitung alleine besteht die Befürchtung, sie würden diesen Brief in die Spamablage bugsieren und bei mehreren Empfängern schlägt der Spam-Alarm dann ebenfalls zu. Ergo… am besten, gar nicht reagieren und abwarten, bis die Lehrer selbst bemerken, dass Broschüren von Missionswerke welche den Kreationismus “bewerben” nicht in den Unterricht gehören. Es gehört sich nicht, mit einer Mail mit mehreren Adressaten wie z.Bsp. den Eltern darauf aufmerksam zu machen, dass Geistergeschichten – im Gegensatz zur Behauptung der Kreationisten – noch weniger belegbar sind als die Evolutionstheorie. Einfach mal abwarten, welches Kind zuerst den Biolehrer mit “Stimmt nicht! Gott sagt …” nervt ;) .
    Im Grunde hast Du recht. Man hätte sich erkundigen sollen, wer dafür verantwortlich sei und ihn persönlich angeschrieben. Durch die Aufforderung, sich aktiv am “durchscannen” der Lehrmaterialien zu beteiligen, erzeugt dies nicht unbedingt eine Atmosphäre des Weltfriedens.

    Oder glaubt jemand, Schulleitungen würden sich extern vorschreiben lassen, wie sie die Schule zu leiten hätten?

    Es könnte den Eltern – die möglicherweise nicht alle Kreationisten sind – interessieren, dass die Schule kreationistisches und wissenschaftfeindliches Material … ähm … toleriert. Wenn besorgte Eltern dann beim Lehrer oder/und der Schulleitung nachfragen, weshalb solche Papiere verbreitet werden, dann würde ich dies als Besorgnis bezeignen und weniger nach Spam, welche nur auf sich aufmerksam machen wollte. Aber ich gebe Dir auf jedem Falle recht, dass es sich hier ebenfalls um Publicity geht. Schließlich wurde der Name “über die Grenzen hinaus” bekannt gemacht. Und auch die Aufforderung, Lehrmaterialien auf ggf. unstimmige Stellen zu prüfen, könnte insbesondere für Lehrer die mit diesen Materialien arbeiten eine Zusatzaufgabe darstellen. Und wir sind ja alle nicht unbedingt auf zusätzliche Arbeit scharf ;) .

    Interessant ist, dass der “Lärm vor der Türe” Protest in diesem Falle besser gewesen wäre, als das Verschicken von Mails. Schließlich ist das “Aufmerksam machen” heutzutage anscheinend nicht mehr mit Mails möglich, ohne gleich mit dem Spamhammer bearbeitet zu werden.

    Wenn sich irgend so ein komischer Verein an der Schule meiner Kinder melden und meine Tochter als Schülervertreterin oder Klassensprecherin oder Schülerin anmailen würde, soll ich sie dazu auffordern, die Klassenräume zu durchsuchen? (..)

    Du solltest gemäß §103 Abs. 3 Vers 7 Spruch 2 auf jedem Falle mit Polizeigewalt sämmtliche Texte beschlagnamen lassen ;) . Okay, vielleicht solltest Du nicht unbedingt die superlauten 1984-Alarmglocken schrillen lassen, aber zumindest würde ich bei Deiner Tochter anfragen ob ihr sowas beigebracht wurde. Wenn sie danach sagt, dass es ja stimmt, dass Gott die Welt erschaffen hat und die Evolutionstheorie wohl nicht stimmen wird, dann würde man schon die Ohren spitzen und “nachforschen”, weshalb sie sowas behauptet. Ob Du die einzelnen Seiten des Lehrmaterials einscannst, eine Texterkennung darauf ansetzt, deinen Haushaltsroboter mit dem Textscanning beauftragst oder einfach mal der Tochter bittest dir zu zeigen, wo das steht, dies überlasse ich Dir. Du bist nicht dazu verpflichtet und Dir erwartet auch keine Strafe, wenn Du dem nicht nachkommst. Aber es müsste im Interesse der Eltern sein, dass das Kind keine falsche Informationen gelehrt bekommt. Die Evolutionstheorie ist sehr gut belegt und sie wird tagtäglich durch Evolutionsbiologen erfolgreich angewandt. Die Behauptung der unbelegten Evolutionstheorie kann somit nicht unbedingt als korrekte Lehrmethode bezeichnet werden. Und sicherlich bist auch Du daran interessiert, dass Dein Kind das richtige lernt.

    (..) Vielleicht im Rahmen einer zu initiierenden Samstagsaktion „Säubert die Schule“, anschließend Freudenfeuer?

    BBQ-Weekend ? Da bin ich gerne dabei. Das ständige verbrennen von Büchern wird langweilig ;) . Aber ein kurzes Gespräch mit dem Lehrer oder der Lehrerin und die Klarstellung, dass der Schöpfungsmythos bitte nicht als wissenschaftliche Tatsache gelehrt werden sollte, könnte schon ausreichen. Möglicherweise wird Dich der Lehrer danach achtkant rauswerfen und dir hinterherschreien, wie unverschämt deine “Einmischung” in den Beruf des Lehrers sei und wie gottlos du durch die Tür gekommen wärst, aber (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) wird er dir eher aufmerksam zuhören und versuchen, sich auch daran (und am Lehrplan) zu halten. Pädagogik klappt nicht nur mit Schülern ;) .

    Oder sollte ich ihr besser beibringen, das auch Humanisten spammen können?

    Du hast recht. Es war ggf. Overkill, sämmtliche Personen der näheren Lernumgebung anzumailen. Doch die Kritik der Kathnetter bezieht sich nicht auf die Empfänger, sondern am Inhalt. Und da sind wir uns ja auch glücklicherweise einig. Die Kritik an den Aktionismus der EH ist berechtigt, wenn ich auch nicht unbedingt mit dem Spamhammer herkomme. Es gibt sicherlich immer bessere Möglichkeiten. Aber in diesem Falle besteht weder die Angst vor einer Einmischung in den Religionsunterricht – der wurde vom Missionswerk initiiert – noch die Pflicht der Eltern, sich mal die Lehrmaterialien anzuschauen. Es gibt keine “antichristliche Stimmung”, wenn man vor falschen Behauptungen warnt und gewisse Glaubenspositionen kritisiert.

    Ehrlich gesagt haben die EH jedoch einige zu scharfe Zeilen geschrieben:

    Zur Begründung (..) dass „Schulen in einem säkularen, demokratischen Staat eine zentrale Rolle spielen für eine offene, freie und tolerante Gesellschaft.“ Demnach sollten sie „geschützt werden vor irrationalen Heilslehren“, damit „Kindern … das Grundrecht auf ein religionsfreies Leben“ gewährt wird. „Die Behauptung, eine unsichtbare Supermacht Namens ‚Gott‘ habe das Universum, die Erde und die Menschen in sechs Tagen erschaffen, steht nicht nur im Widerspruch zu Erkenntnissen über den Menschen und seine Umwelt sondern auch zu den im Berliner Schulgesetz genannten fachlichen Maßstäben, die in anderen Fächern eingehalten und gelehrt werden.“ heißt es in dem Schreiben weiter.

    (Hervorhebung von mir)

    Hier muss ich zugeben, dass man gewaltig  über die Stränge geschossen ist. Der Religionsunterricht ist Unterricht über (irrationale) Heilslehren. Und den Schülern ein Grundrecht auf religionsfreies Leben zu gewähren, ist nicht die Aufgabe des Religionsunterrichtes. Dort, im Unterricht über Jesus und andere Geister, kann man – ja, soll man sogar – an unsichtbare Zaubergeister, Elfen und Dämonen glauben, ansonsten wäre es ja kein Religionsunterricht ;) . In diesem Sinne übt der Unterricht sehr wohl die fachliche Maßstäbe aus. In Chemie wird ja auch nicht Heinrich Heine gelehrt, sondern Chemie. So wird in Religion die “Seele” gelehrt, und nicht der Körper. Und deshalb sollte einzigst der Kreationismus angesprochen werden, und nicht noch irgendwelche “unsichtbare Supermächte”.
    Dies ist wahrlich ein großer Fauxpas, den man der EH ankreiden kann. Ich kann ihre “Wut” (bzw. “antichristliche Stimmung” laut Kathnet) zwar verstehen, doch sowas gehörte einfach nicht in einer Mitteilung über Kreationistenblätter.
    Dies bezeichne ich aber nicht als Spam, sondern einfach als dummer Aktionismus und tatsächlich reine Polemik ;) .

    Aber nun mal was kleines zum Kathnet-Topic:

    Jedenfalls ist es dank der christlichen Seite mal wieder klar…

    Das Schreiben wolle den Eindruck erwecken, als ob Religionsunterricht schulgesetzwidrig erteilt und zu staatlich finanzierter Indoktrination genutzt werde.

    … schreibt Herr Lüpke auf Kathnet. Die Gottlosen haben wiedermal den schwarzen Peter bekommen. Ob es nun durch die Adressatenliste, den scharfen Ton oder was auch immer war. Die Gottlosen haben mal wieder das Fettnäpfchen abbekommen, in denen sie ihre Füße reinstellen. Die armen Gläubigen, die verfolgte Minderheit der Nation, hat mal wieder diese bösen Antichristen-Attacken abzuwehren. Schließlich wollte das Missionswerk ja nur Frieden schaffen und darauf aufmerksam machen den Schülern eine neue Sichtweise schenken, dass man nicht jeden Kittelträger im Labor glauben schenken, sondern alleinig Gott dafür danken sollte, dass er alles so erschaffen hat, wie wir es heute erleben. Das es stimmt, dies beweist der Schöpfungsmythos der Chinesen … äh … der Polynesen … uhm … der Ägypter … verdammt … der Althebräer, so nun stimmts. Die Bibel, das Leitbuch sämmtliches Wissens, beschreibt vom zellulärem Aufbau der Organismen bis hin zur Zusammensetzung der Gesteinsschichten der Rocky Mountains alles, was zum Leben notwendig sei. Und dank des “Bibel-Codes” kriegen wir noch die Vergangenheit, die Gegenwart und auch die Zukunft zu lesen. Eigentlich benötigen wir schon keine Schulen mehr. Ein Buch, und das Leben ist gesichert ;) . Aber durch eine solche “christliche Stimmung” bestehe die Gefahr, dass die Wissenschaft gänzlichst zum Stillstand kommt. Doch dank der Liebe unseres Vaters – Mutter war eben kurz mal Zigaretten holen – benötigen wir keine Wissenschaft, denn am Ende aller Tage wird ER kommen und uns erlösen… wenn wir IHN akzeptieren und uns zu IHM bekehren. Amen.

  5. exmoonie Sagt:

    @hic fruit
    Ich stimme Dir vollständig zu. Die Inttiative der Bruno Stiftung ist in dieser Form ein Aufruf zum Denunziantentum.

    Exmoonie

  6. hic fuit Sagt:

    Max Headroom, das kriegen wir schon auseinandergedröselt.
    “Und wieviele Bücher von Harun Yahya wurden von den Moslems in Berliner Schulen hinterlassen ?” Das ist ein Punkt, in dem wir uns missverstehen. Ich mache es mal mit folgendem hoffentlich fiktivem Szenario deutlicher.

    [fiktiv]Die ditib versendet eine Mail an alle Schülervertretungen Berlins. Auch andere Gremien werden adressiert, darunter Elternpflegschaften / Landeselternvertretung. Die ditib fordert die Empfänger auf zu prüfen, ob der Religionsunterricht den rechtlichen Rahmenbedingungen genügt. Es wird darauf hingewiesen, dass der Islam korrekt dargestellt werden muss, auch im evangelischen/katholischen Religionsunterricht. Lehrmaterialien sind zu prüfen, ob Wörter wie “Mohammedaner” oder “Schalke 04″ vorkommen.[/fiktiv]

    Damit sollte klar sein, dass ich in erster Linie die Auswahl der Adressaten kritisiere. Ausschließlich Schulleitungen wären richtig gewesen, doch die hätten die Mail (nicht Rundbrief) ja gleich in den Spamordner gelegt, oder? Denn der Inhalt ist ja, wenn er denn rechtsneutral, polemikfrei und an Schulleitungen gerichtet ist, ziemlich überflüssig. Oder glaubt jemand, Schulleitungen würden sich extern vorschreiben lassen, wie sie die Schule zu leiten hätten?
    Ganz offensichtlich ging es den evolutionären Humanisten also ausschließlich um Publicity.

    Wenn sich irgend so ein komischer Verein an der Schule meiner Kinder melden und meine Tochter als Schülervertreterin oder Klassensprecherin oder Schülerin anmailen würde, soll ich sie dazu auffordern, die Klassenräume zu durchsuchen? Die herumliegenden religiösen Quelltexte auf kreationistische/rassistische/antisemitische/politisch unkorrekte Inhalte scannen zu lassen? Vielleicht im Rahmen einer zu initiierenden Samstagsaktion “Säubert die Schule”, anschließend Freudenfeuer?
    Oder sollte ich ihr besser beibringen, das auch Humanisten spammen können?

    War das jetzt deutlich genug, Max Headroom?

    Ich finde es niederträchtig, zur Publizitätsgewinnung Schüler und ihre “Kindergehirne” zu instrumentalisieren.
    Warum eigentlich muss man diesen Sachverhalt Leuten, die sich Humanisten nennen, so überdeutlich vorkauen? Sofern es nicht am Textverständnis liegt, sind diese Personen wohl der Überzeugung, dass ihr Zweck die Mittel heiligt. Daher stelle ich vorsorglich fest: ich bin nicht für sie, also muss ich wohl gegen sie sein.

  7. nickpol Sagt:

    qui tacet, consentire videtur.

  8. Tyrus Sagt:

    Ist die Anti-GBS-Polemik des Brightsblog nicht wesentlich kontraproduktiver und schädlicher für das säkulare Spektrum als dieser kritische Brief?

  9. Max Headroom Sagt:

    @hic fuit

    Max: „Stattdessen hat sie sich entschlossen, per Rundmail die Lehrkräfte aufzurufen, sich kritischer mit dem ihnen gegebenen Lehrmaterialien auseinanderzusetzen“.
    (..)
    Verein: „Der Verein ruft nun in einem Schreiben an sämtliche Berliner Schulen und verantwortliche Gremien dazu auf,„ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, ob der Religionsunterricht an Ihrer Schule dem Berliner Schulgesetz entspricht.““

    Gut, dann korrigiere ich mich gerne: Der Verein hat sich entschlossen, per Rundmail die Lehrkräfte UND VERANTWORTLICHE GREMIEN (von mir auch den Präsidenten, die Bundeskanzlerin und dessen Vertreter) aufzurufen, sich kritischer mit den gegebenen Lehrmaterialien auseinanderzusetzen, damit sie nicht den vorgegebenen Richtlinien des Religionsunterrichtes des Berliner Schulgesetzes widerspricht. Pfiuuu ! Genauer ? ;) .

    Auch hast Du der von kath.net im Blog zitierten Darstellung nicht widersprochen, dass es sich bei den Adressaten um Schulleiter, Eltern, Lehrer und Schüler handelte.

    Und das wollte ich auch nciht. Mir ist es völlig egal, ob man nun den Lehrer, der Mutter, der Schulleitung oder Gott selbst adressiert, um mögliche kreationistische “Fehltritte” zu bemängeln.

    Du unterschlägst also die entscheidenden Tatsachen, was einer erneuten Bagatellisierung gleichkommt. Das verstehe ich nicht.

    Noch schlimmer ! Ich habe sogar das Datum (!) unterschlagen. Gefährlich ! :) .

    Machen wir doch einfach den Test, ob wir das bemängelte Vorgehen auch anderen Organisationen/Gruppierungen/ Ortsvereinen, die berechtigtes Interesse am Religionsunterricht haben, zubilligen!
    Die Aktion ELIANT (Anthroposophen). Die Baha’i. Der Zentralrat der Juden in Deutschland. Buddhisten. Muslime. Ex-Muslime.
    Ich würde keiner dieser Vereinigungen das „humanistische“ Vorgehen empfehlen. Evolutionäre Humanisten sehen das gewiss anders.

    Welche Blätter wurden in den Schulen gefunden ? Hat der Zentralrat der Juden eine “Informationsbroschüre” über den Kreationsmus mit der Behauptung, dass die absolute Wahrheit JHWHs zählt, aber der Evolutions”glaube” nicht, verteilt ? Und wieviele Bücher von Harun Yahya wurden von den Moslems in Berliner Schulen hinterlassen ?

    M.E. wären Aktionen mit „Transparenten“, „Megaphonen“ und „Doppeldeckerbussen“ ein durchaus anständiges Vorgehen gewesen, denn hier hätte es sich tatsächlich um Dein smiley-bewehrtes „Aufmerksam-Machen“ gehandelt.
    Doch stattdessen gab es – bislan unwidersprochen – Rundmails, auch an Schüler und Eltern, was hetzerisch ist ein Klima der Überwachung befördert.

    Und was wäre an den Rundmails nun “gefährlich” ? Das hetzerische Klima der Überwachung ? Ist dies tatsächlich der Streitpunkt ? Das Gefühl, von der EH “beobachtet” zu werden ?
    Darf ich daran erinnern, dass die Kreationisten die auf Papier gedruckte unwissenschaftliche Behauptung im berliner Unterricht hinterlassen haben ? Sich nun mit Bussen und Tröten bemerkbar zu machen, nur um zu sagen: “Passt bitte auf, dass ihr den Lehrplan nicht zu weit ausdehnt.” ist nun wirklich Overkill, oder etwa nicht ? Schließlich hätten sie auch jede einzelne Schule per Telefon kontaktieren können und vor solchen “Gefahren” warnen können. Stattdessen haben sie den Weg der Briefpost (nehme ich mal an) gewählt. Sie haben die Leute (Eltern, Lehrer, Germien, …) aufgefordert aufzupassen, dass der naturwissenschaftliche Aspekt der Religion nicht Teil des Lehrplanes wird, denn dort steht er nicht drinne.

    Ich wundere mich nun eigentlich nur, was genau Du bemängeln möchtest:
    Ist es die Methode der Bekanntmachung ?
    Sind es die Adressaten ?
    Ist es der Inhalt des Briefes ?

    Die Kritik erfolge von “kirchlichen Kreisen” her. Kein Grundgesetz wurde umgebogen, um den Schulen diese Mitteilung zu überbringen, und die Schulen erwarten auch keine gesetzliche Bestrafung, wenn sie den Wisch in den Papierkorb befördern. Die Kirchen befürchten, dass es eine unsachgemäße Einmischung in den Religionsunterricht wäre. Doch hier wird nur angeboten, die Materialien auf “kreationistische Schlagworte” zu untersuchen. Wenn der Unterricht den Schöpfungsmythos durchnehmen möchte, dann immer zu. Doch Kreationismus ist die Annahme, es sei “wissenschaftlich belegt”. Und dies ist es eben nicht. Hier wurde von den Kreationisten die Grenze überschritten und die EH (Sorry, nicht die GBS. Mein Fehler!) haben darauf aufmerksam gemacht. Ich sehe hier keine Gefahr irgendwelcher Einmischung aufkommen ;) .

  10. Trinculo Sagt:

    Ich sehe nicht wo das Problem ist.
    Wenn ich das richtig verstandene habe haben die Evolutionären Humanisten Berlins doch nicht versucht das Schulgesetz zu ändern, wie hier suggeriert wird, oder gar versucht das Grundrecht auf Religionsfreiheit anzutasten, sondern nur darum gebeten, dass das BEREITS BESTEHENDE Schulgesetz auch eingehalten wird:
    “Verstöße gegen das Schulgesetz sollten umgehend der Schulleitung oder der Schulbehörde gemeldet werden, heißt es.”

    Was genau ist daran nun “demagogisch”???

  11. Rüdiger Weida Sagt:

    “Ein unnützes, demagogisches und populistisches Vorgehen der „Evolutionären Humanisten Berlins“, die als ein Ableger der GBS, der Absender der Mail sind….”

    Schön, dass wenigstens hier jemand genau weiß, was in welche Schubladen gehört und was nützlich bzw. unnütz ist. Das zeigt wohl doch, der Mensch ist, zumindest was die Unfehlbarkeit anbelangt, ganz nach Gottes Bild geschaffen. :-)

    Die Diskussion hier zeigt ja schon dass unsere Aktion so unnütz nun wohl doch nicht war.

    Einen kleinen Hinweis noch.

    Auch wenn völlig klar ist, ohne Stiftung und Förderkreis würde es uns nicht geben, der “Evolutionäre Humanisten Berlin – Brandenburg e.V.i.G.” ist trotz seines Namenszusatzes “im Förderkreis der Giordano Bruno Stiftung” keinesfalls Teil der Stiftung selbst. Ebenso wie der Förderkreis nicht Teil der Stiftung ist sondern eben nur Förderkreis.

    Unser Handeln ist also, wie wohl durch unsere einleitende Beschreibung als “Ableger” der gbs verursacht, nicht der Stiftung anzurechnen, sondern ausschließlich dem Verein.

  12. hic fuit Sagt:

    Max Headroom, ich verstehe nicht was Du meinst:
    “Stattdessen hat sie sich entschlossen, per Rundmail die Lehrkräfte aufzurufen, sich kritischer mit dem ihnen gegebenen Lehrmaterialien auseinanderzusetzen”.
    Doch beim hpd geht es um viel mehr:
    “Der Verein ruft nun in einem Schreiben an sämtliche Berliner Schulen und verantwortliche Gremien dazu auf,„ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, ob der Religionsunterricht an Ihrer Schule dem Berliner Schulgesetz entspricht.“”
    Auch hast Du der von kath.net im Blog zitierten Darstellung nicht widersprochen, dass es sich bei den Adressaten um Schulleiter, Eltern, Lehrer und Schüler handelte. (Hervorhebungen jeweils von mir)

    Du unterschlägst also die entscheidenden Tatsachen, was einer erneuten Bagatellisierung gleichkommt. Das verstehe ich nicht.

    Machen wir doch einfach den Test, ob wir das bemängelte Vorgehen auch anderen Organisationen/Gruppierungen/ Ortsvereinen, die berechtigtes Interesse am Religionsunterricht haben, zubilligen!
    Die Aktion ELIANT (Anthroposophen). Die Baha’i. Der Zentralrat der Juden in Deutschland. Buddhisten. Muslime. Ex-Muslime.
    Ich würde keiner dieser Vereinigungen das “humanistische” Vorgehen empfehlen. Evolutionäre Humanisten sehen das gewiss anders.

    M.E. wären Aktionen mit “Transparenten”, “Megaphonen” und “Doppeldeckerbussen” ein durchaus anständiges Vorgehen gewesen, denn hier hätte es sich tatsächlich um Dein smiley-bewehrtes “Aufmerksam-Machen” gehandelt.
    Doch stattdessen gab es – bislan unwidersprochen – Rundmails, auch an Schüler und Eltern, was hetzerisch ist ein Klima der Überwachung befördert.

    Nickpol nennt das ein “unnützes, demagogisches und populistisches Vorgehen”. Ich ergänze:
    Wer vorgibt, sich Sorgen um Kinderhirne zu machen, sollte nicht gerade Blockwarte heranziehen.

  13. nickpol Sagt:

    Religionsunterricht ist bekenntnisorientierter Unterricht. Also, Schöpfung, Kreationismus/ID sind dort gut aufgehoben. Denn dort gehört die Sache hin.
    Ich würde mich aufregen, wenn Kreationismus im Biologie-Unterricht behandelt werden würde.
    So ist die Sache eben unsauber.

  14. Max Headroom Sagt:

    @hic fuit

    Hat die GBS denn gewarnt, Deiner Meinung nach?

    Ja, zumindest sagt dies Phillip Möller selbst ;)

    Evolutionäre Humanisten warnen vor Kreationismus an Berliner Schulen.

    Quelle: hpd.de/node/7978

    „In einer Rundmail werden Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler in Berlin aufgerufen zu prüfen, ob der Religionsunterricht dem Berliner Schulgesetz entspricht.“
    Ein solches Vorgehen kann ich nicht mit Leuten in Verbindung bringen, die etwas anders wollen, als sich zu profilieren. Und das ist das absolut Mildeste, was mir dazu einfällt.

    Die GBS hätte Transparente drucken, mit Megaphonen vor den Schultoren tanzen oder gar einen Doppeldeckerbus vor die Tür einer Schule parken können. Stattdessen hat sie sich entschlossen, per Rundmail die Lehrkräfte aufzurufen, sich kritischer mit dem ihnen gegebenen Lehrmaterialien auseinanderzusetzen und ggf. merkwürdig anmutende Aussagen wie z.Bsp. der absoluten Wahrheit der Bibel über die Grenzen der Naturwissenschaft heraus, oder der “unbelegten” Theorie der Evolution dann zu melden. Weder ist hier “antichristliches” im Umlauf, noch findet hier ein “unkorrektes Einmischen” in den Religionsunterricht statt. Der Schöpfungsmythos ist und bleibt ein Mythos, und bis heute kann kein Papier der Welt daran etwas ändern. Der “Glaube” an der Geschichte über die Erschaffung der Welt ist kein wissenschaftliches Thema. Jegliche Verschiebung der Geistergeschichten aus dem Reich der Märchen in das Reich der Naturwissenschaft ist und bleibt daher kritisierbar.

    Es ist geschehen, und es wird weiter geschehen. Und hier schalten sich die Leute der GBS ein und möchten die Lehrkräft warnen/fordern/sensibilisieren/aufmerksam machen (zutreffendes bitte unterstreichen), sich auch im Rahmen des Lehrplanes zu bewegen.


    „Die Behauptung, eine unsichtbare Supermacht Namens ‚Gott‘ habe das Universum, die Erde und die Menschen in sechs Tagen erschaffen, steht nicht nur im Widerspruch zu Erkenntnissen über den Menschen und seine Umwelt sondern auch zu den im Berliner Schulgesetz genannten fachlichen Maßstäben, die in anderen Fächern eingehalten und gelehrt werden.“ heißt es in dem Schreiben weiter.

    Hier kann ich es verstehen, wenn die GBS “arrogant” rüberkommt. Gott hat das Universum erschaffen. Gott hat auch die Erde und alle Menschen erschaffen. Ali Baba hat mit seinen 40 Räuber aber genauso gelebt wie Alladin und seine Wunderlampe, mit denen er nicht nur in der Theorie, sondern “absolut wahr” sich eines fliegenden Teppichs bediente und über die Köpfe der Menschen hinwegflog. Ich wundere mich allerdings, weshalb kein Physiker auf diesem Planeten nun sich dieses Phänomens bedient. Schließlich ist die Gravitation AFAIK die einzigste Kraft, zu der wir noch keine Gegenkraft ausfindig machen bzw. nachweisen konnten. Hier würde die Welt revolutioniert werden, könnte man sich der Antigravitation des Teppiches bedienen und z.Bsp. schwere Lasten mit einer Faser des Teppichs zum schweben bringen. Aber amüsanterweise gilt diese Geschichte als “Märchen”, wärend das Buch mit der sprechenden Schlange, der zornigen Feuersäule und des freundlichen Wasserläufers in diesem Falle als “Sachbuch” mit “wahren Aussagen” gelten soll. Ein Religionslehrer lehrt das Buch der Bücher als das was es ist… ein “Leitfaden” für die Seele, und nicht als Formelsammlung der Physik oder als biologisches Fachbuch.

    Religionslehrer dürfen solche kreationistische Aussagen nicht als “wissenschaftlich wahr” darstellen, dies entspricht nicht ihrem Lehrplan. Und darauf hat die GBS gewarnt aufmerksam gemacht ;) .

  15. hic fuit Sagt:

    Max Headroom, Du hast ja recht mit allem was Du schreibst. Ist ja gar nicht unstrittig. Kreationismus hat an Schulen nichts zu suchen. Punkt.

    Es geht aber hierum:
    “Und vor solchem Gehirndurchfall möchte die GBS warnen.”
    Hat die GBS denn gewarnt, Deiner Meinung nach?

    M.E. hat sie das eben nicht getan: Der Begriff “Warnung” bagatellisiert das Vorgehen, das im Blog hier beschrieben wurde:
    “In einer Rundmail werden Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler in Berlin aufgerufen zu prüfen, ob der Religionsunterricht dem Berliner Schulgesetz entspricht.”

    Ein solches Vorgehen kann ich nicht mit Leuten in Verbindung bringen, die etwas anders wollen, als sich zu profilieren. Und das ist das absolut Mildeste, was mir dazu einfällt.

  16. Max Headroom Sagt:

    Krass !

    Da ruft eine humanistische Stiftung die Schulen auf, genauer den Lehrplan zu überprüfen, ob dort nicht falsches (nicht “anderes”) Gedankengut verbreitet würde, und dann erfolgt der Konter mit solchen halbgaren Argumenten.

    Es ist klar, dass die GBS mit ihrem Rundschreiben nicht den Schöpfungsmythos abschaffen möchte ! Es geht aber darum, dass gewisse unwahre “Erkenntnisse” an Schulen verteilt werden… hier der Auszug der HPD-News hpd.de/node/7978

    An einer staatlichen Berliner Grundschule wurden im letzten Schuljahr kreationistische Dokumente an Schüler/innen des evangelischen Religionsunterrichts ausgehändigt. Es handelt sich dabei u.a. um verschiedene Broschüren des „Missionswerk Werner Heukelbach“, in denen die aus der Bibel bekannte Schöpfungsgeschichte als absolute Wahrheit und Evolution als unbelegte Theorie dargestellt wird.

    (Hervorhebung von mir)

    Kurz gesagt: An einer Schule werden Lügen verbreitet, dass der Mythos eines übernatürlichen Superwesens, welcher den Planeten, das Leben und den ganzen Rest “aus dem Nichts” per Göttermagie erschaffen hätte… womöglich noch ganz im Sinne der Young Earth Creationists innerhalb der paar tausend Jahren. Dem gegenüber stehen jedoch Fossilien, die “unbelegt” mehrere Millionen von Jahren alt sind. Angeblich sind aber Datierungsversuche falsch ausgeführt worden. Auf dem gesammten Planet Erde ! Von Chinesen genauso wie von Amerikanern. Und auch die Europäer haben die exakt selben Mess- und Berechnungsfehler wärend ihrer Arbeit erfahren und alle Kontinente liegen somit falsch. Nur die Kreationisten besitzen naütlich den Schlüssel zur Wahrheit und haben in unendlichen Mühen (1. Buch Mose gelesen) und mit unzähligen Experimenten (Verse vorwärts und rückwärts gelesen) den Fehler nachgewiesen. Zu diesen Messfehlern begeben sich die unzähligen Beobachtungen aus der Flora und Fauna. Tiere passen sich nicht an, weil es durch genetische Variation geschieht, sondern weil JHWH es so gemacht haben muss. Es würde ja auch keinen Sinn ergeben, weshalb z.Bsp. Viren ganze DNS-Fragmente seit jahrtausenden im Genom des Menschen hinterlassen haben. Die Junk-DNS sie schließlich niemals von JHWH so “erschaffen” worden. Irgendwoher muss sie ja kommen. Doch dies beschäftigt die Kreationisten nicht im geringstem. Das Wissen, dass eine Gottheit das Universum und die Maus erschaffen hat, gilt bei ihnen absolute Wahrheit. Die tagtägliche Bestätigungen der Evolutionstheorie sind dagegen unbelegte Theorien.

    Und wie kontern die Kreuznetter ? Mit der Verfassung !
    Im Schulgesetz steht nur drinne, dass der Religionsunterricht sich nicht verfassungsfeindlich verhalten sollte. Was im Lehrplan allerdings drinne steht, wurde hier von den Kreuzidioten glatt verschwiegen. Denn dort ist nicht die Lehre zu verbreiten, dass die Evolution eine unbelegte Theorie sei.

    http://www.ekbo.de/Dateien/Rahmenplan2007.pdf

    Dort ist von Sachkompetenz, personale Kompetenz, soziale Kompetenz und Methodenkompetenz die Rede. Von wissenschaftlicher Kompetenz fehlt jede Spur. Die Religionen haben also kein Recht sich in belgte Tatsachen der Wissenschaft “einzumischen” und zu behaupten, auf magische und nicht nachweisbare Art und Weise sei die weltumspannende Wissenschaft der Evoluton auf dem falschen Gleis und die “Theorie” sei unbelegt. Denn exakt das Gegenteil ist der Fall. Die Theorie ist in vielen Fällen mehr als belegt und nur der Kreationismus widerspricht sämmtlichen Naturgesetzen und behauptet von sich, die “Wahrheit” zu besitzen, alleinig durch unbelegte Theorien und niemals nachweisbaren Behauptungen.

    Und vor solchem Gehirndurchfall möchte die GBS warnen. Die Kreuzritter des Netzes haben alle wohl das falsche Frühstück verspeist, denn solchen Gesetzeshammer kennen wir eigentlich nur von unserer ungläubigen Seite, die ihn ansetzt wenn die Geisteranbeter mal wieder verbal über die Stränge schiessen ;) .

    Wer sich auf Seite 29+ mal ansieht, was die Schülen nach der 10 Jahrgangsstufe für Wissen erlangt haben sollten, dem fällt auf … von “Kreationismus” ist dort nirgendwo die Rede. Man spricht von “Zweifeln”, von Religionskritik. Aber von der “unbelegten Theorie” ist dort in den gesammten Rahmenplan nicht die rede !
    Hier ein paar Zeilen rausgezogen, welche am “nächsten” der Evolution stehen ;) .

    Am Ende der zweiten Jahrgangsstufe
    Sie erkennen die Einmaligkeit jedes Menschen und wissen, dass nach der biblischen Botschaft der Mensch ein von Gott geliebtes Geschöpf ist.

    Am Ende der vierten Jahrgangsstufe
    Die Schülerinnen und Schüler entdecken in der Auseinandersetzung mit biblischen Erzähltraditionen verschiedene, auch widersprüchliche Gottesvorstellungen.
    Sie verstehen, dass die Zehn Gebote Möglichkeiten für ein gelingendes Miteinander eröffnen, und können dies an einem Gebot erläutern.

    Am Ende der sechsten Jahrgangsstufe
    Sie wissen, dass Genesis 1-4 Grundfragen des Menschen und sein Verhältnis zur Schöpfung thematisiert.

    Am Ende der zehnten Jahrgangsstufe
    Sie kennen unterschiedliche religionskritische Argumente und können diese im Zusammenhang der Wechselwirkung zwischen Gottesglaube und Zweifel reflektieren.
    Sie können kriterienbewusst lebensfördernde von lebensfeindlichen Formen und Aspekten von Religion unterscheiden.

    So wirklich viel steht im Lehrplan nun nicht gerade drinne, was das “unbelegte Bild der Evolution” widerspiegelt, nicht wahr ? ;) .
    Die GBS hat in ihrem Rundschreiben die Religionslehrer sensibilisiert und sie vor kreationistischem Müll gewarnt. Wer solche Papierfetzen wie die vom besagtem Missionswerk in die Finger bekommt, sollte sie der Schulleitung melden. Es stimmt, dass die Broschüre nicht verfassungsfeindlich sei und deshalb der Staat keine Polizeigewalt auffahren muss. Aber es stimmt ebenfalls, dass die Broschüre absolut gar nichts in den Religionsunterricht zu suchen hat ! GAR NICHTS !

    Weder ist Kreationismus ein Lehrstoff für den Biologieunterricht (:D LACH ! :D ), noch ein fester Stoff für den Religionsunterricht (:D). Der Religionsunterricht befasst sich absichtlich nicht bewusst mit der Biologie oder der Paläontologie. Und Missionswerke gelten ebenfalls nicht als fachlich anerkannte Spezialisten der Virologie. Ende der Diskussion :) .

    Ende ? Nein… die Kreuznetter haben natürlich noch ein heisses Antichristenfeuer im Ofen:

    Der Geschäftsführer der evangelikalen Studiengemeinschaft Wort und Wissen (..) warf den Autoren des Schreibens vor, eine „antichristliche Stimmung“ zu erzeugen. Ohne Kenntnis über den tatsächlichen Unterricht zu haben, würden „Indoktrination“ und „Irrlehren“ unterstellt.

    Uiii. Der Boss einer Papierdruckfirma sieht Umsatzeinbußen auf sich kommen ? Wie überraschend ;) . Dann hätten sie sich bewusst schon vorher die Blätter auch ansehen sollen, die sie da mitverbreiten. Und ich bezweifle, dass die GBS nicht die selbe “Arbeit” wie ich getan hat und sich den aktuellen Lehrplan besorgt hat. Nochmals, lieber W&B Verlag: Kreationismus hat in der Wissenschaft nichts verloren. Und der Religionsunterricht darf sich damit bewusst kritisch auseinandersetzen. Aber Lügen zu verbreiten, dass das Gotteswerk “absolute Wahrheit” und die Evolutionstheorie unbelegt sei, ist wohl auch für einen Geschäftsführer erkennbar. Aber wer schon in der Apothekenumschau mit Homöopathie glänzt, hat wahrlich schon einige kleine Kratzer im Lack.
    http://brightsblog.wordpress.com/2009/10/08/frauen-und-die-sanfte-homoopathie/

    Wie man merkt, lässt sich auch dieses heisse Antichristenfeuer sehr leicht mit ein wenig Wahrheitswasser löschen. Indoktrinationen, Irrlehren und Falschinformationen sind sehr wohl im Religionsunterricht bekannt. Es wäre auch extrem schwer, im Biologieunterricht die kreationistische Gedankenlehre zu vermitteln, wo sie doch gerade von den Biologen vollständig widerlegt werden kann. In Erdkunde klappt dies bekanntlich ebenfalls schwer. Von Sport will ich mal gar nicht reden ;) . Also bleibt dann der Religionsunterricht übrig. Und dort muss man sich schon am Lehrplan halten… der von Kreationismus keine Spur enthält.

    Kurz: Kreationistisches Gedankengut gehört nicht in die Schule. Das ist nicht “antichristlich”, sondern völlig “normal” und gemäß dem Lehrplan.

  17. hic fuit Sagt:

    Und wenn die Religionsräume voll verwanzt sind, stellen wir fest, wo Kuschelatheisten wohnen.

  18. brightsblog (brightsblog) 's status on Sunday, 18-Oct-09 08:49:51 UTC - Identi.ca Sagt:

    [...] Kontrollierter Religionsunterricht? « Brights – Die Natur des Zweifels a few seconds ago from web [...]


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