ScientologY – Das Parlament Nr. 42 2008
Die Journalisten Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck haben sich an die Fersen der Organisation geheftet und eine umfangreiche Anklageschrift gegen die »totalitäre Psycho-Sekte« vorgelegt
Wirklich gemütlich war es in Deutschland für Scientology nie. Seit die Organisation, die sich selbst als Kirche bezeichnet, in den 1970er-Jahren begann, auch in Deutschland Niederlassungen aufzubauen, schlägt ihr hierzulande Misstrauen und Kritik entgegen. Doch in den vergangenen Monaten haben sich die Angriffe verändert: Nachdem die Internet-Bewegung “Anonymus” erklärte, es sei ihr Ziel, Scientology “zu zerschlagen”, kam es mehrfach zu Attacken auf die Scientology-Homepage und weltweite gehen die Gegner der Sekte verstärkt auf die Straße. Nicht selten sind sie maskiert – mit Guy-Fawkes-Masken, die aus dem Film “V wie Vendetta” stammen, in dem ein einsamer Held gegen ein totalitäres Regime kämpft. Und auch in der “Kriegserklärung” an Scientology, die “Anonymus” im Internet veröffentlichte, schwingt ein Pathos mit, das an Hollywood erinnert: “Wissen ist frei. Wir sind Anonymus. Wir sind die Legion. Wir vergeben nicht. Wir vergessen nicht.”
Die Auseinandersetzung entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Immerhin tritt “Anonymus” gegen eine Organisation an, die von einem ehemaligen Science-Fiction-Autor gegründet wurde und zu deren Glaubensgrundsätzen es gehört, dass ein galaktischer Herrscher namens Xenu vor Millionen von Jahren das Problem der Überbevölkerung auf den Planeten damit löste, dass er Millionen von Menschen unter Drogen setzte, auf die Erde brachte und sie dort mit Wasserstoffbomben vernichtete. Übrig blieben ihre entkörperten Seelen – die “Thetane”. Das Ziel der Scientologen ist es, deren ursprüngliche Fähigkeiten zu erlangen – und “clear”, rein, zu werden.
Oberflächlich betrachtet, mutet dies wie die Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe hysterischer Internetfreaks und äußerst fantasiebegabten Science-Fiction-Jüngern an. Doch das ist zu kurz gegriffen. Weltweit mahnen Kritiker der Sekte, dass es sich bei Scientology um mehr handelt als eine kleine Gruppe spinnerter Hubbard-Fans – sie halten die Organisation zu Recht für gefährlich. Zu ihnen gehören auch Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck.







































































Oktober 15, 2008 um 7:51 am
Anon ist eine Bewegung von libertären Freidenkern und Leuten die mit schrägem bis pronographischen Humor und einer gewissen Respektlosigkeit gegenüber staatlicher Autorität und gesellschaftlichen Normen.
Konservative Ansichten wird man da wohl kaum finden, vor allem nach so sinnentleerten FoxNews Beiträgen wie “Hackers on Steroids”.
Oktober 14, 2008 um 10:46 pm
Eigentlich sollte freie Meinungsäußerung auch ohne Anonymität möglich sein. Zumindest in einer freien Gesellschaft. Wo Repressalien, in welcher Form auch immer, zu befürchten sind, ist die Anonymität natürlich ein Mittel, um seine Meinung kundzutun. Natürlich schade, denn so lässt sich kein Dialog führen, und ohne Dialog gibt es selten befriedigende Ergebnisse. Das ist aber dann der gesamten Gesellschaft anzulasten.
Allerdings kann ich die Mittel von Anonymus auch nicht gutheissen. Sie treten nicht für Meinungsfreiheit ein, sie treten nur für die ihnen genehme Meinung ein. Arrowman nennt dieses Vorgehen einen Kreuzzug, ich hoffe nur sie orientieren sich nicht an vorangegangen Kreuzzügen, die im Namen des Glaubens geführt wurden.
Oktober 14, 2008 um 10:25 pm
“Schließlich soll ja anonymität wirklich freie Meinungsäußerung ermöglichen.”
Bist Du anderer Meinung?
Oktober 14, 2008 um 2:50 pm
Anonymous Kreuzug hat so weit ich weiß damit begonnen das jenes Tom Cruise Video im Internet aufgetaucht ist, und dann von YouTube wegzensiert wurde. Wenn die Anon-Szene etwas nicht ausstehen kann ist es Zensur.
Schließlich soll ja anonymität wirklich freie Meinungsäußerung ermöglichen.
Oktober 14, 2008 um 2:10 pm
Die Kirche zumindest hört auf ihre Schafe zu scheren, wenn sie anfangen zu bluten.
Scientology scheisst drauf, treibt die eigenen Gläubigen direkt in den eigenen Tod, es sei den natürlich, das sind omnipotente “Würdenträger” aus Hollywood, dann werden denen auch mal Villen und Yachten bezahlt, Geburtstagsfeieren ausgereichtet in Millionenhöhe.
Und das alles ohne Religionskrieg.
Oktober 14, 2008 um 2:00 pm
Anonymous ist eine Idee, eine Idee mit Anhängern, nicht mehr nicht weniger.
Anonymous bedeuted Freiheit bis zur Anarchie. Allerdings ohne direkt bösartig zu sein. Irgendwie wie der Joker nur ohne Leute töten. Die Szene aus der die Idee stammt zeichnet sich durch schlechten wie (tiefraben-)schwarzen Humor aus. Kann man mögen muss man aber nicht. (Ich tu’s.)
Der Punkt ist es gibt keine Anführer, keine Organisation, jeder der sich berufen fühlt, kann mit machen und sich ne Maske aufsetzen. Hauptsache man tut es für die Lulz.
Und das erklärt warum Anon die Church als Feind auserkoren hat. Die Church ist streng hierachisch, ihre Ideologie ist Doppeldenk. Kritiker werden erpresst und (mund-)tot gemacht, Aussteiger verfolgt. (Später vllt. mehr)
Oktober 14, 2008 um 12:44 pm
Ich verstehe die Aufregung nicht ganz.
Meiner Meinung nach besteht relativ wenig Unterschied zu den ” renommierten” Kirchen:
- ob Engel oder Thetane, beides sind übernatürliche Wesen, für deren Existens keinerlei Hinweise (schon gar keine Beweise!) vorliegen.
- menschenverachtend: Lehrt die Kirche nicht, dass natürliche Instinkte (wie der Fortpflanzungstrieb) falsch und zu bekämpfen sind.
- Recht auf Gleichbehandlung außer Kraft setzten: Frauen spielen in der Kirche immer noch eine untergeordnete Rolle
- verfassungsschutzfeindliche Bestrebungen: Fehlende Trennung von Staat und Kirche und Festhalten an den Konkordaten, nenne ich verfassungsfeindlich.
Der einzige Unterschied zwischen Scientology und den Kirchen liegt daran, dass speziell die katholische Kirche diese Ziele schon erreicht hat, und diese bloß noch verteidigen muss.
Natürlich darf Scientology ihre Ziele nicht erreichen, dennoch hat sie wesentlich weniger Einfluss als die RKK, aber beider Ziele sind zu bekämpfen.