Genom des Penicillin-Pilzes entschlüsselt

Der Schimmelpilz Penicillium notatum produziert das nach ihm benannte Penicillin, das durch Störung der Zellwandsynthese der Bakterien antibiotisch wirkt.

Der Schimmelpilz Penicillium notatum produziert das nach ihm benannte Penicillin, das durch Störung der Zellwandsynthese der Bakterien antibiotisch wirkt.

Delft – (Deutsches Aerzteblatt) Niederländische Forscher haben das Genom von Penicillium chrysogenum sequenziert. Die Publikation in Nature Biotechnology (2008; doi: 10.1038/nbt.1498) verspricht Einblicke in die Produktionsstätte eines der wichtigsten Medikamente des 20. Jahrhunderts.

Die Firma DSM Anti-Infectives aus Delft in Südholland, die Anfang des letzten Jahrhunderts aus einer “Gist- en Spiritusfabriek” hervorgegangen ist, hat bereits während der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg heimlich mit der Produktion von Penicillin G begonnen.

Später stieg sie der Firma zufolge zum weltweit größten Hersteller von Penicillinen auf. Heute produziert DSM Anti-Infectives – neben dem klassischen Penicillin auch Amoxicillin, Ampicillin, Cephalexin, Cefadroxil und andere mit dem Penicillin verwandte Substanzen.

DSM Anti-Infectives hat deshalb nicht nur ein akademisches Interesse an den Genen des Pilzes, der eine biologische Existenzgrundlage der Firma geblieben ist. Bereits 2004 wurde in Zusammenarbeit mit niederländischen, spanischen, deutschen (Institut für Chemie, Universität Berlin) Forschern und dem J. Craig Venter Institute for Genomic Research in Rockville/Maryland mit der Sequenzierung von Penicillium chrysogenum begonnen.

Jetzt scheint die Arbeit (halbwegs) abgeschlossen zu sein. Marco van den Berg von DSM Anti-Infectives und Mitarbeiter fanden auf 32,2 Millionen Basenpaaren insgesamt 13.653 Gene, von denen sie etwa 6.000 (deshalb “halbwegs”) eine Funktion zuordnen können.

Die Physiologie des Penicillinpilzes ist außergewöhnlich komplex, berichten die Forscher. Die Sequenzierung habe geholfen, einige Schritte in der Biosynthese von Penicillinen zu verstehen. Auch einige Genprodukte, die an der Bildung des Beta-Laktam-Rings (häufiger Angriffspunkt für Resistenzen) beteiligt sind, haben die Forscher im “Transkriptom” des Pilzes entdeckt.

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