Evangelikale laden in Bremen zum »Christival« – und agitieren u. a. gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Gespräch mit Jost Beilken
Interview: Claudia Wangerin
Jost Beilken ist kultur- und bildungspolitischer Sprecher der Linksfraktion in der Bremischen Bürgerschaft
Was mißfällt Ihnen am sogenannten Christival, zu dem sich von Mittwoch an in Bremen rechte Christen treffen?
Seine fundamentalistischen Tendenzen. Eine Arbeitsgruppe, die nach massiver Kritik zurückgezogen wurde, sollte zum Beispiel Homosexualität als heilbare Krankheit thematisieren. Wir gehen davon aus, daß die Streichung dieses Programmpunkts nur ein taktisches Manöver ist – und nicht Ausdruck eines Erkenntnisgewinns der Veranstalter. Auch sonst hat das Christival, das nun für sechs Tage begangen wird, in den letzten Wochen wiederholt als fundamental-evangelikaler Kongreß von sich reden gemacht. Eine andere Veranstaltung, die nach wie vor auf dem Programm steht, maßt sich sogar an, das Recht auf Abtreibung selbst nach Vergewaltigung in Abrede zu stellen.
Haben solche Forderungen überhaupt eine Chance auf Durchsetzung, oder stört Sie in erster Linie, daß für das Christival öffentliche Räume zur Verfügung gestellt werden?
Da haben wir eine Meinungsverschiedenheit mit der rot-grünen Koalition. Offenbar sind wir hier in Bremen als einzige der Meinung, daß auch eine Unterstützung durch kostenlose Veranstaltungsräume abzulehnen ist. Für gesellschaftlich durchsetzbar halte ich die Forderung nach einem Abtreibungstotalverbot aber momentan nicht.
Sollte man nicht annehmen, daß die Grünen, deren Vorsitzende Claudia Roth so gern am Christopher-Street-Day und bei anderen Veranstaltungen der Gay-Pride-Bewegung auftritt, für christliche Fundamentalisten eher wenig übrighaben?
Ja, insofern wundert es mich auch, daß sich die Grünen zumindest in Bremen so wenig in den Protest der anti-reaktionären Bündnisse einbringen. Aber vielleicht überlassen die das ihren Jugendorganisationen. Für mich ist der christliche Fundamentalismus eine Bewegung, die man ernst nehmen muß und nicht mit öffentlicher Unterstützung begleiten sollte.
Sie sehen darin also eine ernste Gefahr und nicht nur eine skurrile Minderheit, die wegen ihrer Bedeutungslosigkeit keine öffentliche Förderung verdient?
Der christliche Fundamentalismus hat ein Potential, das sich auch politisch sehr störend auswirken kann. Ich denke da insbesondere an die USA, wo die Evolution angezweifelt und versucht wird, eine »wissenschaftliche Schöpfungslehre« in den Schulbüchern und Universitäten zu verankern. Das ist für mich ein Zeichen, wie sehr der Fundamentalismus das zivilisatorische Niveau der Aufklärung belasten kann. In Krisenzeiten kann so eine Bewegung durchaus politisch gefährlich werden.






































































Mai 18, 2008 um 9:48 pm
>>Aber niemand betitelt diesen Staat deshalb als Monarchie oder Nazistaat.<<
Eigentlich sollte es eher so lauten:
“Aber niemand reduziert diesen Staat deshalb auf die ehemaloge Monarchie oder auf die Nazidiktatur.”
Doch solche Konsorten wie Koch und Co. machen dies nur zu gerne. Diese ewig Gestrigen.
Mai 18, 2008 um 9:45 pm
Ich weiß nicht wo dein Problem ist. Die Bundesrepublik Deutschland ist als Staat z.B. identisch mit dem Deutschen Reich. Aber niemand betitelt diesen Staat deshalb als Monarchie oder Nazistaat.
>>Die Bundesrepublik Deutschland ist also nicht „Rechtsnachfolger“ des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat „Deutsches Reich“<<
Also wieso sollte man die Historie der Linkspartei leugnen? In meinen Augen leisten sie immerhin Geschichtsbewältigung, was man von FDP und CDU nicht erkennen kann. Die sich die ehemaligen Blockparteien einverleibt hatten, um damit deren Vermögen, Mitglieder etc. einverleibt. Doch wo ist Geschichtsbewältigung dieser einverleibten Parteien?
Mai 18, 2008 um 8:44 pm
^^ ich dachte mir, dass ich wegen der SED Nachfolge Partei etwas berichtigt werden würde. Naja für mich (aus der DDR) ist sie das eben – auch wenn die WASG mit drin steckt.
@nickpol
Warum gleich so auf “Du bist..” tststs
Da schreibt man mal 2 comments auf einem Blog und ist gleich ein Schwätzer.
Wie auch immer. Machts gut.
Mai 18, 2008 um 11:03 am
@it’s me again
Du bist ein Schwätzer, Gysi hält eine Gesellschaft ohne Religion für wertlos, dafür ist er mal kurz am Dodo vorbeigeschrammt, und Frau Müller, was die Lebenabschnittsbegleiterin des Herrn Lafontaine ist, hält Kindererziehung nur in kirchlichen Kitas für entsprechend wertvoll. Wenn die Granden der Linken schon so einen religiösen Mist verzapfen, muss man sich um diese keine areligiösen Sorgen machen. Du solltest deine Klischees nicht allzu sehr pflegen.
Mai 18, 2008 um 10:36 am
“die SED-Nachfolgepartei”
Soll dies eine Kritik sein?
Immer diese ewig Gestrigen, die denken, man könnte damit die Linkspartei irgendwie ärgern. :kopfschüttel:
Mai 18, 2008 um 10:02 am
Ähm.. Leute.
Das Christival war vor allem ein Treffen für Jugendliche und jungen Erwachsene. Mit vielen Gottesdiensten, Bibelarbeiten und Konzerten.
Würde man sich die Mühe machen, könnte man feststellen, dass “die Christivalteilnehmer” keine homogene Masse sind, sondern verschiedenen Konfessionen angehören und “die Dingen” verschieden sehen etc.
Es ist schade, dass man auf alles, was man schlecht findet, das Schild “Fundamentalist” kleben kann. Im Grund sagt es inhaltlich wenig bis nichts und ist vorallem (nur?) zu einem polemischen Schlagwort geworden.
Und das die SED-Nachfolgepartei Christen nicht mag … wen überrascht das? ^^
so bleibt mir den kritischen Damen und Herren noch zu sagen, dass das Christival ein tolle Sache war und vie Spaß gemacht hat. Und dass ich unsere freie Demokratie sehr sehr liebe, weil sie eben das ermöglicht.
PS: Haben sie keine Angst vor Evangelikalen und schauen sie nicht nur auf die ganz extremen Randgruppen. Man beurteilt Fussball ja auch nicht (ausschließlich) über Ultras und Hooligans.
Mai 1, 2008 um 8:31 am
Genau da liegt das Problem. In Krisenzeiten kann so eine Bewegung durchaus politisch gefährlich werden. Es mag ja sein das ich aufgrund meiner Prozesse mit Dr. Udo Ulfkotte und Pax Europa besonders aufmerksam bin, aber tatsächlich wachsen da heute schon Strukturen zusammen, die wir vielleicht nicht mehr zurück in die Tüte bekommen.
http://tinyurl.com/57fu9e
Kewil, oder fact-fiction wie sie sich jetzt nennen ist da nur ein Beispiel, das ganze reicht von kreuz-net, über PI bis in die rechten Ränder der CDU.
Jeden Tag kommt etwas mehr Fahrt in diese Truppen und wenn wir nicht reagieren, könnte sich Geschichte eben noch wiederholen:
http://www.duckhome.de/tb/archives/879-Die-Juden-sind-unser-Unglueck!.html