Ein kritischer Blick auf die Werte des Westens

russland.ru – die Internet Zeitung

[ von Berndt Bleckmann ] Wenn einem das Eigene besser erscheint, ist das nicht so schlimm. Gefährlich wird es, wenn das Eigene zum einzig Wahren wird. (Valentin Falin)
Der „lupenreine Demokrat“ und seine russische Zuchtanstalt. Gemeint ist Putin. Mit dieser Überschrift, die Russland mit einem Zuchthaus assoziiert, wendet sich ein Chefredakteur im November 2007 an „liebe Sternleser“.

 Warum westliche Medien und Politiker in dieser Weise gegen Russland ins Feld ziehen, ist mit den Vorgängen im Zielland der Kritik nicht zu begreifen. Bisweilen muss man die Kritiker analysieren, um die Kritik zu verstehen. Woher kommt dieser Journalismus? Was treibt ihn um? Gewiss, aus Sicht der strategischen Interessen der USA und jener Europäer, die unter einer „pax americana“ existieren wollen, macht es Sinn, einen Keil zwischen Russland und EU-Europa zu treiben. Und es macht Sinn, Russland auch dadurch zu schwächen, indem man es provoziert (zum Beispiel durch Raketenabschussrampen in Polen) einen großen Teil seiner Ressourcen wieder in Aufrüstung zu stecken.

Aber es gibt kein zentrales Propagandaministerium, wie unter Goebbels, das per Tagesbefehl der Journalistenschar vorschreiben würde, ab sofort mit zweierlei Maß zu messen und Russland und seinen Präsidenten gnadenlos zu verurteilen. Daher bleibt die Frage, warum verhalten sich die meisten Medienleute so, als gäbe es diesen Tagesbefehl. Gibt es eine Disposition in der kollektiven Psyche des Westens, die uns hilft zu verstehen, warum Kolonnen von Journalisten und Politikern so schnell, so leicht und so willig in einen neuen Kalten Krieg marschieren?

Im religiösen Erbe des Westens steckt „Extremismus“
Genau betrachtet lebt der Westen in einer Art mittelalterlichneuzeitli-cher Schizophrenie. Das Weltbild ist den modernen Naturwissenschaften verpflichtet, nachgalileisch-humanistisch, während das Gottesbild, der göttliche Kosmos, archaisch-vorgalileisch geblieben ist. Hier soll nicht die Rede sein vom Neuen Testament, dem revolutionären, literarischen Debüt der Frühzeit, erst recht nicht von jenen kurzen Sätzen, die „Bergpredigt“ genannt werden, auch nicht vom Christentum der Theologen, sondern vom schlichten Glauben, der über die Jahrhunderte gewachsen ist und den jedes Kind kennt. Da gibt es Himmel und Hölle, Gott und den Teufel, Erlösung und Verdammnis. Der erbsündige Christ lebt in einem permanenten Belagerungszustand durch das Böse. Zwar wird der gute Gott (der allmächtige Gott) dereinst siegen, aber der schlechte Gott (der gefallene Gott Luzifer, der Teufel) gibt nicht auf. In wechselnder Gestalt bedroht er die Guten und Gerechten unter dem Menschengeschlechte auf´s Neue. Götter mit guten und schlechten Eigenschaften gab und gibt es in vielen Religionen. Aber bei den alten Griechen, Römern und Nordländern sind sie doch irgendwie „Mensch“ geblieben, mit Stärken und Schwächen und ohne absolute Macht. Die Steigerung des Guten und des Bösen ins Extrem, Gott und Teufel, der ganze Pantheon gespalten in zwei feindliche Lager, miteinander ringend in einem totalen (kalten) Krieg, das ist eine Besonderheit der abendländisch-christlichen Glaubensvorstellung.

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3 Antworten zu „Ein kritischer Blick auf die Werte des Westens“

  1. Katzenfreund Sagt:

    Netter Artikel, aber einen Kritikpunkt habe ich da schon. Ich halte es für unbewiesen, dass es heute kein zentrales Propagandaministerium gibt, dass Journalisten vorschreibt, was sie zu schreiben hätten. Paul Sethe sagte vor einigen Jahren etwas, was heute ncoh aktueller denn je ist:

    “Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Journalisten, die diese Meinung teilen, finden sie immer.”

    Dazugedacht hat er, dass wer als Journalist eine dem Verleger nicht genehme Meinung hat, eben einfach rausfliegt. Vielleicht gibt es ja doch so etwas wie ein zentrales Propagandaministerium, das der Journalistenschar vorschreibt, mit zweierlei Maß zu messen und Russland und seinen Präsidenten gnadenlos zu verurteilen?

    Zumindest hat die CIA früher mal eine jährlich hunderte Millionen Dollar teure Operation Mockingbird gefahren, die de facto heimlich ein solches Propagandaministerium war. George H.W. Bush hat als CIA-Chef gesagt, er hätte die heimliche Bezahlung der Medien durch die CIA gestoppt.

    George H.W. Bush hat aber nicht gesagt, er hätte die Steuerung der Medien durch die CIA gestoppt. Ist es vorstellbar, dass Medienmilliardäre eben dieses nur geworden sind, weil sie Geheimdienste im Rücken hatten?

    Vielleicht gibt es diese zentrale Steuerung der Medien durch die Geheimdienste noch heute? Anhaltspunkte gibt es da einige. Im Bundestag gibt es sogar einen BND-Journalisten-Untersuchungsausschuss, der den Fragen einer Verquickung von Geheimdienst und Medien nachgehen soll.

    Das muss nicht so sein, aber vielleicht macht es nachdenklich und gibt dem einen oder anderen Mut, Zweifeln nachzurecherchieren.

  2. nickpol Sagt:

    Ist eigentlich genau die Argumentation die der Verfasser des Posts im Auge hat. Putin ist ein aufgeklaerter Potentat, aber kein Demokrat. Und die Presse in deutschland ist auch nicht das was sie meinen sein zu muessen, man koennte fast von gleichgeschaltet sprechen.
    Europaeischer Provinzialismus scheitert am imperialen amerikanischen Streben, Russland wird eine staerkere Rolle spielen, schon wenn es darum geht zukuenftigen chinesischen Einfluss unter KOntrolle zu halten

  3. [C]Arrowman Sagt:

    Der Teil über RUssland ist mal Bullshit, jeder halbgebildete kann nachlesen, das das RUssland unter Putin zu autokratischen MEthoden zurückkehrt, unterdrückung der Presse und keine Opposition die den Namen verdient. Ganz zu schweigen davon das dieser ständig Knüppel zwiscxhen die Beine geworfen werden.

    Der Artikel wettert sehr gegen den christölicehn GLauben, schießt aber an dem Ziel, die sog. westlichen Werte” vorbei, weil diese eben nicht auf dem christlichen Glauben basieren wie uns Konservative und Klerikale immer wieder gerne glauben machen wollen, sondern auf der Arbeit der Aufklärer und Philosophen der Neuzeit.


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